Gänsehautmomente bei Betreuung Schwerkranker

Vorarlberg / 01.10.2019 • 17:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zusammenhalt und Teamarbeit werden der Interne II und Onkologie am Landeskrankenhaus Bludenz groß geschrieben. BI
Zusammenhalt und Teamarbeit werden der Interne II und Onkologie am Landeskrankenhaus Bludenz groß geschrieben. BI

Zusammenarbeit, Kommunikation und Rituale als wichtiger Pfeiler.

Bludenz Die onkologische Abteilung bildet wohl in allen Krankenhäusern eine ganz spezielle Herausforderung an das Pflegepersonal. Patienten mit Tumorerkrankungen benötigen meistens eine längere Therapieform und oftmals viele Krankenhausaufenthalte. „Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie dem mobilen Palliativteam, der Hauskrankenpflege oder der Krebshilfe ist besonders wichtig. Die Patienten kommen ja oftmals nicht nur für eine Operation oder eine Therapie zu uns, sondern sind in Intervallen manchmal viele Jahre lang bei uns in Betreuung“, erklärt Karola Muther, Leiterin der Abteilung am LKH Bludenz.

Als Grundprinzip in der Betreuung Schwerstkranker sind ihr drei Pfeiler besonders wichtig: die Zusammenarbeit im Team, mit Ärzten,  Angehörigen und anderen Institutionen, die richtige Kommunikation mit diesen, aber auch mit den Patienten, und schließlich Rituale. „Rituale haben sich bewährt. Es braucht ein gemeinsames Frühstück, fixe Mittagspausen und vor allem einen regelmäßigen Austausch untereinander. Bei harten Fällen ist das Gespräch am Arbeitsplatz wichtig, damit sich niemand allein fühlt.“

Es ist eine sehr fordernde Aufgabe, sich mit Menschen in einer so schweren Lebensphase auseinanderzusetzen. Karola Muther betont aber: „Es ist eine Arbeit, die ich sehr gerne mache, sie bildet einen Teil meiner Persönlichkeit.“ Über Erfahrung in diesem Bereich verfügt sie – immerhin arbeitet sie schon seit 35 Jahren auf dieser Station.

Ständige Weiterbildung

Cornelia Reißner, die eine Zusatzausbildung als Cancer-Nurse an der Klinik in Innsbruck absolviert hat, beschreibt die Zielsetzungen folgendermaßen: „Unser vorrangiges Ziel ist es, die Patienten so gut zu versorgen, dass sie zu Hause weiterbetreut werden können. Hierfür kommunizieren wir auch mit den Hausärzten und dem Pflegedienst. Die Angehörigen werden in alle Entscheidungen miteingebunden. Wir wollen für jeden Einzelnen ein Rundumkonzept erarbeiten, damit der Patient davon profitiert. So sind auch Weiterbildungen im Schmerzmanagement unerlässlich, es gibt immer wieder neue Entwicklungen.“

„Leid teilen“ könne als Leitsatz der Station gesehen werden. „Geteiltes Leid ist leichter tragbar. Deshalb ist es gut, dass unsere Patienten neben dem Pflegepersonal verschiedene Ansprechpartner haben. Eine Psychologin kommt zwei Mal in der Woche vorbei, ehrenamtliche Mitarbeiter der Hospiz sind am Dienstag vor Ort, die Franziskaner schauen bei Bedarf vorbei und wir sorgen für Erstkontakte mit der Krebshilfe. Eine ganz willkommene Abwechslung bietet auch der Besuch der CliniClowns. Dabei handelt sich um ein Pilotprojekt, das von uns vor zehn Jahren initiiert wurde. Damals kamen die Clowns erstmals zu den Erwachsenen“, führt Muther weiter aus.

Viktoria Margreitter ist im zweiten Berufsjahr auf der Station: „Ich habe immer wieder Gänsehautmomente bei der Arbeit. Mit so vielen kleinen Sachen ist es möglich, den Patienten eine Freude zu bereiten. Nähe und Distanz sind dabei ganz wichtige Attribute. Ich habe auch privat davon profitiert.“ BI