Häusle: Prozessauftakt zum Müllskandal

Vorarlberg / 01.10.2019 • 16:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ist sich keiner Schuld bewusst: Ex-Geschäftsführer Martin Bösch. ECKERT

Schuldzuweisungen seitens der Staatsanwaltschaft, Verteidigung kritisiert Ermittlungen.

Christiane Eckert

Feldkirch „Als im März 2016 die anonyme Anzeige eines Spaziergängers einlangte, wonach Müllreste gefunden wurden, hätte sich niemand träumen lassen, am wenigsten ich, dass daraus ein Fall von dieser Dimension entsteht.“  So lautet einer der ersten Sätze im Eröffnungsplädoyer von Staatsanwältin Konstanze Manhart. Und es ist tatsächlich ein Prozess der Superlative. Zehn Angeklagte, neun Verteidiger, 96 Zeugen wurden im Ermittlungsverfahren befragt, 18 Personen anfangs als Beschuldigte einvernommen. Die Hausdurchsuchung bei der Firma Häusle war personell ein enormer Aufwand. Der zuständige Umweltsachverständige musste sich wochenlang mit Bodenproben und Analysen befassen. Seitens der Beschuldigten habe man sich teilweise äußerst unkooperativ gezeigt, sagt die Staatsanwältin.

Heimlich gegraben

„Nach der Anzeigenerstattung führte man am Ostermontag eigenmächtig Grabungen durch. Ohne Rücksprache mit den Behörden versuchte man zielgerichtet, den Müll wieder auszugraben“, so der Vorwurf der öffentlichen Anklägerin. Manhart skizziert in ihren rund einstündigen Ausführungen zusammenfassend den Fall. Sie erklärt, dass die betroffenen Rechtsgebiete, Umwelt- und Finanzstrafrecht komplex und exotisch seien und dass es wenig höchstgerichtliche Entscheidungen gebe, an die man sich orientieren könne. Auch was die Verbringung des Mülls in die Schweiz zur endgültigen Entsorgung betreffe, gab es angeblich Probleme. Probleme, die mit internationalen Richtlinien zusammenhängen. Zusammengefasst sei aber nicht das verbracht worden, was angegeben war.

Verteidigung kontert

Gerhard Müller vertritt als Verteidiger den ehemaligen Geschäftsführer Martin Bösch. Der Anwalt kennt seinen Mandanten seit 50 Jahren und wehrt sich gegen die Vorverurteilung. Müller glaubt nicht an den „anonymen Spaziergänger“, sondern ortet vielmehr einen „Insider der Firma Häusle, der einen ganz bestimmten Zweck verfolgte“. Dass man als Geschäftsführer nicht alles ganz genau mitverfolgen kann, was auf dem unübersichtlichen Gelände passiere, sei klar. „Er fliegt ja nicht täglich mit einer Drohne darüber“, setzt sich Müller für den studierten Betriebswirt ein.

Relativierungen

Verteidiger Albert Heiß ortet ebenfalls Verletzungen von Verfahrensrechten, und Verteidiger Thomas Raneburger, der zwei Angeklagte vertritt, relativiert den behaupteten Umweltschaden. „Mein Mandant war in der Hierarchie an vierter Stelle. Straßenkehricht besteht aus zwei Drittel aus ‚Stona` und einem Drittel aus ‚Blattln‘. Und die Ausbringung dieses Materials auf einer ehemaligen Mülldeponie, wo Autoreifen und anderes im Untergrund lagert, ist so was von wurscht“, so Raneburger. Der Prozess wird mit der Einvernahme von weiteren Beschuldigten fortgesetzt.