Causa Häusle: Ex-Geschäftsführer teilt aus

Vorarlberg / 02.10.2019 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am zweiten Tag des Prozessmarathons um die Causa Häusle Samskam eine der Hauptfigurgen zu Wort.
Am zweiten Tag des Prozessmarathons um die Causa Häusle Samskam eine der Hauptfigurgen zu Wort.

Martin Bösch schilderte am zweiten Prozesstag zwei Stunden und 40 Minuten seine Sicht der Dinge.

Christiane Eckert

Feldkirch Am Vormittag wurde ein einstiger Projektleiter und Errichter der Biogasanlage einvernommen, ehe am Nachmittag kurz nach 13 Uhr eine der Hauptfiguren an der Reihe war. Martin Bösch, 54 Jahre, Betriebswirt und ehemals Geschäftsführer und Gesellschafter der Firma Häusle. Seine „zusammenfassende Erklärung“ dauert zwei Stunden und vierzig Minuten und gibt Einblick in die Hintergründe des Müllskandals. Zumindest so, wie sie sich aus seiner Sicht gestalteten. Der Mann spricht stehend am hochgefahrenen Rednerpult, sein Vortrag ist rhetorisch beeindruckend, systematisch vorbereitet und Fachbegriffe sind anschaulich erklärt. Und dieses Mal ist er derjenige, der austeilt.

Vorverurteilungen

Nach der Anzeige im Jahr 2016, als erstmals illegal vergrabene Müllrückstände Thema wurden, habe es sofort Schuldzuweisungen gehagelt. Was den Anzeigenerstatter „anonymer Spaziergänger“ betreffe, mute es seltsam an, dass der Sachverständige der Abfallwirtschaftsabteilung bei der anschließenden Begehung nichts gefunden habe. Danach habe es Bilder von verunreinigtem Boden gegeben, die musste der Informant laut Bösch aber innerhalb des Geländes aufgenommen haben. Kurzum, Bösch vermutet eine gezielte Aktion hinter der Anzeige. Daraufhin sei ein medialer Supergau gestartet worden, der ihn sehr belastet habe.

Mitschuld

Sofort hätten alle ihn als Schuldigen im Visier gehabt. Zudem habe er im Gegensatz zu seinen Gegnern nichts in Händen gehabt. Vom Krisenmanagement sei er ausgeschlossen worden, zu seinen Unterlagen habe er keinen Zugang mehr bekommen und Geschäftsführer Thomas Habermann habe zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. „Statt kalmierend vor die Presse zu treten, schürte Habermann die Sensationslust der Vorarlberger Medien“, so Bösch. Habermann habe von Sauerei, Profitgier, Verantwortungslosigkeit und Skrupellosigkeit gesprochen, natürlich alles „vor seiner Zeit“. Und er, Bösch, habe es als traurig empfunden, dass Politiker sich von dieser aufgeheizten Stimmung hätten anstecken lassen.

Hintergrund klar

Für Bösch ist klar, was dahintersteckt. Loacker übernahm Häusle zu 100 Prozent und zwar zu Konditionen, die weit unter dem wahren Unternehmenswert gelegen seien. „Ich musste meine Anteile zu einem Preis verkaufen, der mir sehr weh getan hat“, so der einstige Häusle-Gesellschafter. Die Firma war nicht nur in Österreich, sondern auch in der Schweiz und in Deutschland vertreten. „Häusle war eine starke Marke“, so Bösch.

Sand ins Getriebe

Auch in puncto Selbstanzeige, die für Selbstanzeiger Strafbefreiung bewirkt, habe man ihm übel mitgespielt, so Bösch. Der Zollbeamte habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur die namentlich angeführten Personen mit Strafbefreiung rechnen könnten. Doch der Loacker- Mitarbeiter habe geantwortet, dass Bösch und die anderen Angeklagten bewusst nicht erwähnt worden seien. Falsche und verkürzte Darstellungen seiner Aussagen seien Grundlage für Zeugenbefragungen gewesen und so habe sich die Voreingenommenheit durch die ganzen Ermittlungen gezogen, so Bösch.