Reinhold Bilgeri

Kommentar

Reinhold Bilgeri

Grüne Welle

Vorarlberg / 02.10.2019 • 19:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Türkis-Blau ist Geschichte. Gut. Mission erledigt? Mitnichten. Die Balgerei beginnt ja erst, sagt Frau Ammann. Ein Auge lächelt, im andern zerdrückt sie eine Träne. Das Lächeln gilt den Grünen, die das Greta-Momentum und ein hemdsärmliger Kogler auf eine Welle hievte, die noch weit rollen könnte, wird doch das Klima ein ewiges Thema bleiben. Ja, sie gesteht sogar, tatsächlich von einem Vizekanzler Kogler geträumt zu haben. Kurz nur – aber doch.

Die Dämonen

Die Träne galt übrigens dem Faktum, dass nach wie vor 53 % dem Rechtspopulismus huldigen. „Der Österreicher ist ein rechtskonservatives Wesen“ resignierte Erwin Steinhauer schmunzelnd und liegt wohl richtig. Als wär‘s in die DNA geschrieben: In Zeiten drohender Dämonen – Migration, Klimakrise, Globali und Digitalisierung – in Zeiten der Verlustängste driftet er nach rechts, der Mensch. Vor allem, wenn dort, im Design-Licht, ein junger alter Kanzler wartet. Aber es ist halt so mit den Erlösern – sie mögen keinen Schatten neben sich, das Licht kommt ja direkt von oben, schattenlos. Wir wissen, dass er „wenig Lust auf Koalitionen“ und eine Affinität zum Autoritäsprinzip nicht leugnen kann.

Und doch warten die Mühlen des Parlaments und die Ideen der anderen Parteien, die die Interessen der „Restbevölkerung“ vertreten, die Kurz nicht gewählt hat. Das sind immerhin 63 %. Mit den Blauen wird’s wohl nimmer gehen, denen attestiert selbst die Kronenzeitung, die sie einst wohlwollend in die Regierung geschrieben hatte, eine „strukturelle Verkommenheit“ ( sic !), ganz abgesehen vom Ausland, das mit Argusaugen nach Österreich blickt. Also geht sich das Versprechen „Mitte-Rechts“ wohl nicht mehr aus. Wir folgern: Man wird sich bewegen müssen, den guten alten demokratischen Kompromiss wieder bemühen und sich zusammensetzen zum „Wohle unserer Heimat“.

Allein zu Haus ?

Die Westachse macht eh ein gutes Bild, sagt Frau Ammann, der Unterschied ist halt: LH Wallner ist ein verlässlicher Schwarzer, dem sie gerne ein christlich-soziales Herz bescheinigt. Der könnte doch Ezzes geben, denn eines muss auch klar sein, sagt sie, eine Migrationspolitik in Menschenwürde und ein ökosoziales Paket im Einklang mit einer ökologisch denkenden Wirtschaft kann uns allen nur gut tun.

Und sollten alle sich zieren, bleibt am Ende EINER allein zu Haus, als Minderheit und ohne Versicherung, vor dem nächsten Feuer.

„Und sollten alle sich zieren, bleibt am Ende EINER allein zu Haus, als Minderheit und ohne Versicherung, vor dem nächsten Feuer.“

Reinhold Bilgeri

reinhold.bilgeri@vn.at

Reinhold Bilgeri ist Musiker, Schriftsteller und Filmemacher, er lebt als freischaffender Künstler in Lochau.