In Sorge um die Jüngsten

Vorarlberg / 02.10.2019 • 18:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Verschlechterung bei Betreuungsschlüssel befürchtet.

schwarzach Bislang zählt der in Vorarlberg bestehende Betreuungsschlüssel in den Kindergruppen zu den besseren in Österreich. Mit einer neuen Verordnung zum Kinderbetreuungsgesetz, die 2020 in Kraft treten soll, könnte sich das allerdings zum Schlechteren verändern, befürchtet zumindest der Landesverband der selbstorganisierten Kinder- und Spielgruppen. Laut Verordnung wird es nämlich möglich sein, den Personalschlüssel bei den Vierjährigen an jenen der Kindergärten anzupassen. „Früher kamen bei den Vierjährigen in den Kindergruppen maximal 13 Kinder auf eine Betreuungsperson, nun sind es 16 Kinder“, verdeutlicht Obfrau Bea Madlener-Tonetti das Problem. „Wir würden uns wünschen, der Betreuungsschlüssel im Kindergarten würde an den früheren Schlüssel der Kindergruppen angepasst. Die Kinder und ihre Pädagoginnen würden davon profitieren“, ist Madlener-Tonetti überzeugt.

Viele Stellungnahmen

In Vorarlberg gibt es 138 Kleinkindeinrichtungen, in denen 4700 Mädchen und Buben betreut werden. Zusammen mit den Spielgruppen sind es 5700 Kinder. Gut 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für das Wohl der Kleinen. Als die Verordnung zum Kinderbetreuungsgesetz in Begutachtung ging, läuteten beim Landesverband die Alarmglocken. „Es gab viele Stellungnahmen und viel Aufruhr, gerade im Zusammenhang mit dem Betreuungsschlüssel“, verweist Bea Madlener-Tonetti auf die Vorfälle in Wien, wo überforderte Kindergartenpädagoginnen sich nicht anders zu helfen wussten, als Kinder in die Toilette zu sperren. Hier habe auch die Politik versagt. „Die Kinderbetreuung braucht gute Rahmenbedingungen“, fordert auch Christel Hagspiel, die vor 35 Jahren die erste Kindergruppe initiierte. Beide Frauen wünschen sich, dass die bisherige Autonomie der Kleinkindbetreuungseinrichtungen gewahrt bleibt. Dieses Anliegen bezieht sich auf die heuer erfolgte Zusammenlegung der Bereiche Kinderbetreuung, Kindergarten und Schülerbetreuung zu einer Abteilung „Elementarpädagogik, Schule und Gesellschaft“. Madlener-Tonetti und Hagspiel plagt die Sorge, dass die Kinderbetreuung unter die Räder kommen könnte. „Sie muss weiterhin als etwas Eigenständiges gesehen werden“, lautet ihr Begehr. Das Gesetz solle im Sinne aller Kinder wirken.

Neuerlich ein Thema ist auch die Anerkennung von Vorbereitungszeiten. Da gab es von Landesseite zwar bereits Zugeständnisse, doch die seien nicht ausreichend. „Fair wären die gleichen Vorbereitungszeiten wie sie Kindergärten haben“, sagt Bea Madlener-Tonetti und lässt den Vergleich sprechen: „In den Kindergärten gibt es pro Woche und Gruppe 16 Stunden. In der Kinderbetreuung sind es zwei Stunden pro Monat.“ Die Politik verlasse sich immer noch zu sehr auf das Ehrenamt. Christl Hagspiel: „Die Anforderungen an die Qualität der Betreuung sind höher geworden. Die zu leisten benötigt bezahlte Zeit.“

„Die Kinderbetreuung muss weiterhin als etwas Eigenständiges gesehen werden.“