Man spricht zu wenig Deutsch

Vorarlberg / 02.10.2019 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Klima in der Deutschförderklasse an der Volksschule Hohenems-Markt ist gut. Die Lehrerinnen sind engagiert, die Schülerinnen und Schüler machen brav mit. VN/Lerch
Das Klima in der Deutschförderklasse an der Volksschule Hohenems-Markt ist gut. Die Lehrerinnen sind engagiert, die Schülerinnen und Schüler machen brav mit. VN/Lerch

Alltag in Deutschförderklassen. Auch an der VS Hohenems-Markt wird gute Arbeit geleistet.

HOHENEMS Die Hände fliegen in die Höhe. „Daaas Buch“, presst ein Dreikäsehoch heraus und erntet Lob. Auch ein Mädchen landet daraufhin einen Volltreffer. „Diiiie Schere“, sagt sie völlig korrekt. Artikel sind heute das Thema in der Deutschförderklasse an der Volksschule Hohenems-Markt, wo sich die beiden Lehrerinnen Sarah Kainz und Caroline Galler voll ins Zeug legen. Sie haben dankbare Kundschaften. Die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache. Zuvor haben sie ein „Guten Morgen“-Lied gesungen. Elf Kehlen und viel Fröhlichkeit.

Motivierte Schüler

Die Deutschförderklasse ist im Obergeschoß der Traditionsschule untergebracht. Gleich vis-à-vis befindet sich jene Klasse, in der es spezielle Deutschförderung im Ausmaß von sechs Wochenstunden gibt. Sie ist etwas anderes als die Deutschförderklasse, in der Deutsch praktisch das einzige Fach ist. Den Förderklässlern wurden vor Schuleintritt ungenügende Deutschkenntnisse attestiert, jenen, die Deutsch-Förderung erhalten, „nur“ mangelhafte.

„Die Arbeit mit den Kindern ist lässig“, findet Caroline Galler (31). „Du merkst die kleinsten Fortschritte, und ich habe das Gefühl, dass die Mädchen und Buben gerne mitmachen. Sie sind sehr bemüht“, streut sie ihren Schützlingen Rosen.

Im Kindergarten getestet

Wäre es nach Direktor Christof Jagg (55) gegangen, hätte es keine Deutschförderklassen gegeben. „Ich glaube, dass Kinder am besten von Kindern lernen. Aber ich habe auch schon Gutes über die Deutschförderklassen von einigen gehört, die bereits Erfahrung damit haben. Wir werden jetzt sehen, wie sich das bei uns entwickelt“, äußert sich der Schulleiter sehr diplomatisch. Man sei im Land sehr bemüht, die Lehrer mit entsprechender Fortbildung auf die spezielle Aufgabe vorzubereiten.

Was Jagg auffällt: „Die Eltern der meisten Kinder in der Deutschförderklasse können selber gut Deutsch, haben ihre Kinder bis zur Schule aber nicht damit in Berührung gebracht.“ Eingestuft wurden die Schüler bereits im Kindergarten durch den sogenannten MIKA-D-Test (Messinstrument zur Kompetenzanalyse Deutsch).

Die Eltern der Kinder in der Deutschförderklasse seien zum Teil überrascht gewesen vom Testergebnis und alles andere als glücklich über die Zuweisung ihrer Kinder zu dieser Klasse. „Ein Elternpaar hat sogar eine Berufung gemacht, ist jedoch bei der Bildungsdirektion abgeblitzt“, erzählt Jagg. „Wenn die Kinder Fortschritte machen, können sie schon nach einem Semester in eine reguläre Klasse wechseln“, erwähnt Jagg einen weiteren wichtigen Aspekt der Deutschförderklasse.

Warten auf Elternfeedback

Gespannt wartet Caroline Galler auf ein erstes Feedback der Eltern. Noch hat sie von diesen nichts gehört. Sie selbst hat Positives zu berichten. Sie wird ihnen aber auch eines dringend ans Herz liegen: „Ich werde ihnen sagen, dass sie mit ihren Kindern Deutsch sprechen müssen. Zweisprachigkeit ist ja gut, aber man muss die zweite Sprache eben auch anwenden.“

Im Unterricht wird Galler von ihrer Kollegin Sarah Kainz unterstützt. Kainz macht derzeit eine Sprachheilausbildung und bringt ihre Kenntnisse in den speziellen Schulalltag ein. Sieben der 19 Stunden unterrichten die beiden Pädagoginnen in der Deutschförderklasse gemeinsam. Kainz ist zudem Spezialistin im Umgang mit Deutsch als Zweitsprache. Als Team tun sie alles, um die Kinder weiterzubringen. „Wir unterrichten natürlich nicht nur Deutsch. Das wäre zu anstrengend. Wir verpacken die Anwendung der deutschen Sprache in allerlei Inhalte“, beschreibt Galler das Konzept. VN-HK

„Ich glaube nach wie vor, dass Kinder am besten von anderen Kindern lernen können.“