Ein wahrer Reigen von Vorwürfen

Vorarlberg / 03.10.2019 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein den VN damals zugespieltes Bild von Baggern bei der illegalen Deponie.
Ein den VN damals zugespieltes Bild von Baggern bei der illegalen Deponie.

Tag drei im Häusle-Prozess: Belastende Aussagen gegen Ex-Geschäftsführer.

Feldkirch Der dritte Tag im Häusle-Prozess beginnt mit technischen Details. Immer noch an der Reihe ist Ex-Geschäftsführer Martin Bösch, der die komplexen Abläufe im Alltag eines Recylingunternehmens erklärt. „Kostenschonendes Arbeiten bei gleichzeitig ökologisch sinnvollster Verwertung“, das sei die große Herausforderung für jeden Abfallverwerter, sagt er. Nach den technischen Einführungen geht es um Vorwürfe, Schuldzuweisungen, angeblich getätigte und angeblich niemals getätigte Aussagen.

Da gibt es beispielsweise zwei Zusammenfassungen von Ermittlungsbehörden, in denen Dinge falsch wiedergegeben worden seien.

In einer Sitzung habe man einmal darüber gesprochen, dass Gärreste nach der weiteren Behandlung und Bearbeitung sinnvoll Verwendung finden könnten. Im letzten Verarbeitungsvorgang verbleibe nämlich neben grobem Material wertvoller Kompost. In der Zusammenfassung der Ermittler stehe allerdings, Bösch habe vom Einbau von „Gärresten“ gesprochen. „Davon war nie die Rede“, verteidigt sich der 54-Jährige. Bis in die Nachmittagsstunden werden weitere Aussagen vorgehalten. So auch jene des 56-jährigen Diplomingenieurs, der als Betriebsleiter tätig war und später in die Geschäftsleitung aufstieg. Dieser sagte: „Bösch hat angeordnet, dass Gärreste eingebaut werden“.

Der Mann, der selbst angeklagt ist, belastet Bösch an anderer Stelle mit den Aussagen: „Ich mache jetzt nichts mehr Illegales“ oder „Ich habe Bösch darauf hingewiesen, dass die Gärreste endlich ordentlich entsorgt werden müssen“.

Der Erstangeklagte ortet dies als Versuch, damit den eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sein ehemaliger Arbeitskollege sei nämlich selbst für die Gärreste verantwortlich gewesen und befürchte nun strafrechtliche Konsequenzen. Deshalb die falsche Anschuldigung, die Entsorgung sei von ihm angeordnet gewesen.

Aus „Komfortzone“ geholt

Einige Ex-Kollegen würden ihn auch belasten, weil er sie aus ihrer „Komfortzone“ geholt habe. Dies sei aber nötig, wenn man als Geschäftsführer gute Ergebnisse erzielen will. So gibt es an diesem Tag noch viele Schuldzuweisungen und ebenso plausible Erklärungen, warum diese allenfalls falsch sein könnten. Am Ende des Prozesses muss der Senat entscheiden, wem er mehr Glauben schenkt.