Kathrin Stainer-Hämmerle

Kommentar

Kathrin Stainer-Hämmerle

Eine Analyse der Elefantenrunde: Familienaufstellung

Vorarlberg / 03.10.2019 • 05:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wenn Vorarlberger streiten, klingt das recht konstruktiv. Dem Publikum wird zwar fast schwindlig von vielen Zahlen, doch grundsätzlich regierte bei der Elefantenrunde der Hausverstand und nicht das Parteisekretariat. Sonst bestätigte sich, was schon bekannt war: Bei der S 18 kommen ÖVP und Grüne nicht mehr zusammen. Was unklar blieb: Wer hat eigentlich Bäumepflanzen erfunden? Und wann sind Krawatten aus der Politik verschwunden? Eine Analyse der fünf Diskussionsteilnehmer:

Markus Wallner: Die modernsten Schlagworte

Der Applaus der Vorstellungsrunde entlarvt den Favoriten. Den Landeshauptmannbonus zu spielen, heißt souverän zu sein bei Zahlen und Ansagen, sich in keine Schublade stecken zu lassen, den Erfolg Vorarlbergs zu betonen und gleichzeitig klarzumachen, wer dafür die Verantwortung trägt. Eine Meisterleistung war die Ansprache beinahe aller Wähler in einem Satz: von den Pensionisten, über Familien mit Pflegebedarf bis zu Ehrenamtlichen.

Christof Bitschi: Lieber fordern als antworten

Der Jüngste liefert die ältesten Stehsätze und mit dem Familiengeld die konservativste Ansage. Bitschi gibt sich als Kenner der Wirtschaft, fordert selbstbewusst für alle Bereiche konkrete Schritte, bleibt selbst aber greifbare Maßnahmen meist schuldig. Opposition heißt kritisieren, Hauptsache nicht über die FPÖ diskutieren. Obwohl Bitschi doch ein wenig durcheinander kam mit Bund und Land und Wasserstoff und Wasserkraft.

Johannes Rauch: Gefesselter Junior

Etwas oberlehrerhaft wirkte Rauch bei Angriffen auf Bitschi. Zu theoretisch erklärte er dem Publikum Baurecht und Standortentwicklung. Und resigniert hat er beim Thema S 18 auf Rechtfertigung verzichtet. Die Juniorrolle hemmt. Die FPÖ dient als Feindbild zur Mobilisierung, doch Stimmen sind dort keine zu holen. Die kamen das letzte Mal von der ÖVP. Doch mit denen will Rauch ja weiter regieren. Und dafür braucht es zufriedene Vorarlberger.

Martin Staudinger: Angst statt Mut

Die SPÖ war einmal eine große Partei. Daher beginnt Staudinger vielleicht mit der Vergangenheit. Weil Gegenwart und Zukunft malt er gerne in düsteren Farben. Das soll Wechselstimmung erzeugen und den Regierungsparteien schaden. Das macht all jene SPÖ-Wähler mutlos, die bereits 2014 zu Hause geblieben sind. Für die Abwehr von Bitschi als Vertreter der Arbeiterklasse braucht es mehr Fokus auf das Wesentliche und mehr Lebensweltbezug.

Sabine Scheffknecht: Was will Neos

Nach einem selbstbewussten Anfang gegen ÖVP, FPÖ und Grün, ließ sich Scheffknecht die wichtigsten Punkte nehmen. Staudinger spielte die Frauen-Karte, ihr Kernthema Bildung rutschte ans Ende. Es blieb kein Zweifel, dass die Neos sehr fleißig waren. Es droht ein ähnliches Schicksal wie im Bund. Wollen sie Opposition oder Regierung? Und wer lädt sie zum Mitregieren ein? Nicht nur den anderen fehlt das Big Picture.