Havarierte Totalphütte wird abgetragen

Vorarlberg / 03.10.2019 • 09:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Abbruch der Totalphütte wurde in den letzten Tagen eifrig vorangetrieben.VN/JS

Bauarbeiten auf hochalpiner Baustelle in vollem Gang, Hubschraubereinsatz invklusive.

Brand, Vandans Trotz der frühen Morgenstunden und der bereits beendeten Sommersaison herrscht auf dem Parkplatz der Lünerseebahn emsiges Treiben. Baucontainer sind bereits in Stellung gebracht, während der erste Hubschrauber neben der Talstation zur Landung ansetzt. Zeitgleich ist auch auf der Totalphütte auf 2385 Metern Höhe von romantischer Bergidylle nichts zu spüren, denn hier wird bereits eifrig gewerkt. Seit Tagen sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, die im Jänner von einer Staublawine arg in Mitleidenschaft gezogene Schutzhütte des Österreichischen Alpenvereins in ihre Bestandteile zu zerlegen. „Rund zwei Drittel des Bestandes konnten nicht mehr gerettet werden und werden abgetragen“, informiert Bauleiter Philipp Fleisch, der die hochalpine Baustelle koordiniert.

Zurück auf dem Lünersee-Parkplatz geht es mit dem ersten Flug für eine Gruppe neuer Arbeitskräfte hinauf zum Einsatzort. Oben am Berg ist schon von Weitem das Sägen, Flexen und Hämmern zu hören, das seit Tagen die Szenerie um die rund 60 Jahre alte Schutzhütte bestimmt. Immer wieder wird die Geräuschkulisse vom Lärm des Hubschraubers übertönt. Zentimetergenau steuert der Pilot die ihm über Funk zugewiesenen Punkte an. In Säcke und Netze gepackt, werden die Überreste der Hütte nach unten geflogen, während sich oben mehr und mehr Baumaterial um die Gebäudereste stapelt.

Im Laufe des Vormittags bleiben immer wieder Wanderer auf dem Weg hinauf zur Schesaplana bei der Hütte stehen und beobachten die aufwendigen Abbrucharbeiten. Etwas abseits des emsigen Bautreibens erweisen sich die zwölf Schlaf- und zwei Sanitärcontainer, die um die Hütte aufgebaut wurden, als stille Beobachter. Nachdem die Container dazu beigetragen haben, die Sommersaison notdürftig über die Bühne zu bringen, stehen sie für die Dauer der Arbeiten den Bauarbeitern als Quartier zur Verfügung.

Zerlegung in die Einzelteile

Diese sind bei den Abbrucharbeiten gehörig gefordert. Nachdem das Gebäude bereits komplett ausgeräumt wurde, wird die Holzkonstruktion des Hauses mit Motorsägen sukzessive seziert und auseinandergenommen. Wo einst Wanderer zur Ruhe kamen oder bei einem herrlichen Ausblick auf den Rätikon eine Stärkung zu sich nahmen, ist heute nur noch das Gerippe der Hütte erkennbar. Und selbst das wird nach und nach auseinandergenommen. Mithilfe einen großen Krans wird der Dachstuhl Stück für Stück auf den Boden gehievt und dort für den Abtransport vorbereitet.

Ein paar Hundert Meter von der Schutzhütte entfernt ist man damit beschäftigt, den Sockel für die Materialseilbahn zu betonieren. Rund 20 Flüge sind notwendig, bis die fünf Kubikmeter fassende Schalung gefüllt ist. Im Anschluss daran steuert der Pilot sein Fluggerät wieder hinauf zur Totalphütte, denn auch dort wird Beton benötigt. Parallel zu den Abbrucharbeiten sind nun die ersten Arbeiten am neuen Fundament gestartet. Wieder heißt es genau zu kommunizieren und die Bodenplatte für den Aufbau der Hütte vorzubereiten.

Bauleiter Philipp Fleisch ist stets Herr der Lage und gibt, falls erforderlich, die entsprechenden Kommandos. Gleichzeitig laufen bereits die Vorbereitungen für die nächsten Tage, denn der Hubschrauber wird heute noch auf einer anderen Baustelle gebraucht. „Bis Mitte November“, so hofft der Bauleiter, „können wir heuer noch hier oben arbeiten.“ Danach geht die Baustelle in die Winterpause. Rechtzeitig zur Eröffnung der neuen Lünerseebahn im Juni 2020 soll dann die Totalphütte in neuer Pracht über dem Lünersee thronen. Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun.

Totalphütte
Totalphütte
Totalphütte
Totalphütte
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Totalphütte
Totalphütte
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