Am Geburtstag ermordet

Vorarlberg / 04.10.2019 • 19:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Als eine Auseinandersetzung zwischen Skins und „Outsidern“ in Lauterach tödlich endete.

Lauterach Unauffällig steht es heute da, jenes Haus an der Lauteracher Bundesstraße. Schon lange ist dort Ruhe eingezogen. Kaum jemand weiß mehr von der infernalischen Fehde, ja des beinahe schon mörderischen Gemetzels zwischen Skinheads und „Outsider“-Rockern, zu dem es am 8. Februar 2009 in und vor diesem Gebäude gekommen war. „Überall Blut, schreiende Menschen und zerstörtes Inventar“, erzählte ein Augenzeuge damals den VN.

Und ein 20-jähriges Todesopfer, niedergestreckt mit mehreren Messerstichen.

Abschlussdrink mit Folgen

Norbert Schwendinger, damals Leiter des Morddezernats, erinnert sich noch an jedes Detail. Und auch daran, wie harmlos das Ganze im Grunde begonnen hatte: „Eine Gruppe von Skinheads feierte zunächst in Wolfurt den Geburtstag eines 20-jährigen Mitglieds. Dann beschlossen sie, sich im Musikpark A 14 noch einen Abschlussdrink zu genehmigen“, schildert der ehemalige Chefermittler. Der Weg dorthin führte am Clubheim der „Outsider“ an der Lauteracher Bundesstraße vorbei. Hier brannte noch Licht, es schien gefeiert zu werden. Schwendinger: „Die Skins, einzelne von ihnen mit den Rockern befreundet, gingen rein und bestellten Bier, das sie auch bekamen.“

Die Uhr schlug 3.30 Uhr morgens. Alkohol war bereits reichlich geflossen. Nur noch ein Funke genügte, um eine Auseinandersetzung auszulösen. Und so kam es dann auch. „Erst war es ein verbaler Streit. Schließlich wurden die Skins von den Outsidern aufgefordert, das Lokal zu verlassen. Und als dann auch noch die Freundin eines Rockers es wagte, dieser Aufforderung Nachdruck zu verleihen, fühlten sich die Skins in der Ehre gekränkt“, erinnert sich der pensionierte Kriminalist.

Fatale Eskalation

Und schon flogen die Fetzen. Ein Outsider, der früher selbst mal Mitglied bei den Skinheads war, ging in einen Vorraum, griff zu einem Baseballschläger, kehrte in die Clubräume zurück und schlug damit wahllos auf die Anwesenden ein.

„Beim Ersten, den er erwischte, handelte es sich um ein eigenes Clubmitglied“, erinnert sich Schwendinger. Ein weiterer, 26-jähriger Outsider besorgte sich hinter dem Tresen ein Messer mit einer 36-Zentimeter-Klinge und stach
damit auf die Anwesenden ein, unter anderem auch auf die eigenen Leute.

Und ausgerechnet jener 20-jährige Skinhead, der Geburtstag hatte und abseits von der Rauferei stand, bezahlte die Aggression des Wütenden mit seinem Leben. Er wurde von ihm durch mehrere Messerstiche tödlich verletzt. „Wir rückten nach der Alarmierung mit einem gewaltigen Polizeiaufgebot an“, erinnert sich Schwendinger, „sämtliche Streifen vom Rheintal bis nach Feldkirch wurden zusammengezogen. Und das war auch überaus notwendig. Es ging eine Zeit lang, bis die Situation beruhigt werden konnte und Licht ins Dunkel gebracht wurde. Und die Bilanz unter den Streitparteien: ein Toter, ein lebensgefährlich Verletzter und neun Leichtverletzte.“

Der 26-jährige Outsider und Messerstecher wurde später am Landesgericht Feldkirch wegen Mordes und Mordversuchs zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der Tatort in Lauterach kurz nach dem Verbrechen Anfang 2009: Kerzen wurden zum Gedenken an das Opfer aufgestellt. Vlach
Der Tatort in Lauterach kurz nach dem Verbrechen Anfang 2009: Kerzen wurden zum Gedenken an das Opfer aufgestellt. Vlach

Zur Person

Norbert Schwendinger

Pensionierter Chef­ermittler in 28 vollendeten und 60 versuchten Mordfällen in Vorarlberg, seit dem 1. August in Pension

Geboren 5. Dezember 1958

Familie in Lebensgemeinschaft,
zwei Kinder

Lesen Sie im nächsten Teil: Der brutale Mord an einer Mutter im Kinderdorf.