„Miete frisst das Einkommen auf“

Vorarlberg / 04.10.2019 • 19:02 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“
             Schicksale wie diese ziehen teure Wohnkosten nach sich: Die 51-Jährige Claudia S. (Bild oben) musste aufgrund einer Krankheit in Pension. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, teilweise bis zu drei Jobs gleichzeitig“, erzählt die dreifache Mutter. Heute bleiben ihr nach Abzug der Miete (815 Euro für zwei Zimmer) noch 450 Euro für das tägliche Leben. „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, ist das Fazit von Frau S.Auch Carmen Platonina (32, re.) empfindet die Preise für Wohnen als hoch. Als Single gibt sie knapp die Hälfte des Einkommens für die Miete aus.

„Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“

 

Schicksale wie diese ziehen teure Wohnkosten nach sich: Die 51-Jährige Claudia S. (Bild oben) musste aufgrund einer Krankheit in Pension. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, teilweise bis zu drei Jobs gleichzeitig“, erzählt die dreifache Mutter. Heute bleiben ihr nach Abzug der Miete (815 Euro für zwei Zimmer) noch 450 Euro für das tägliche Leben. „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, ist das Fazit von Frau S.

Auch Carmen Platonina (32, re.) empfindet die Preise für Wohnen als hoch. Als Single gibt sie knapp die Hälfte des Einkommens für die Miete aus.

Kosten für Wohnen steigen immer mehr. Zwei Vorarlbergerinnen geben Einblicke.

Bregenz, Dornbirn Die Wohnkosten zählen zu den größten Sorgen der Vorarlberger.  Während das Nettoeinkommen zunehmend stagniert, steigen die Preise fürs Wohnen immer mehr. Mehr als zwei Drittel der Vorarlberger sind überzeugt, dass es nicht mehr leistbar ist, geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Sparkassen hervor. Zwei von den hohen Preisen betroffene Frauen erzählen in den VN von ihren Erfahrungen.

„Ich fahre lieber weniger in den Urlaub“, erklärt Carmen Platonina, auf ihre Wohnsituation angesprochen. Die 32-Jährige lebt in einer Dreizimmerwohnung in Bregenz. Die ist ihr nach der Trennung geblieben und die Singlefrau möchte die 75 Quadratmeter nicht aufgeben. „Klar habe ich mir überlegt auszuziehen, denn die Wohnungsmiete ist eigentlich für zwei Gutverdiener leistbarer“, schildert die Fachhochschule-Vorarlberg-Mitarbeiterin. Doch gegen einen Auszug sprechen für sie die hohen Maklergebühren und die Umzugskosten. „Dadurch spare ich mir mit einer niedereren Miete kaum etwas ein“, hat sich Platonina für eine neue Wohnung durchgerechnet.

Wichtige Argumente, die gegen einen Auszug sprechen, sind die Lage und der Wohlfühlfaktor der aktuellen Wohnung. „Mir ist wichtig, dass ich mich in meiner Wohnung erholen kann“, erzählt die Wahl-Bregenzerin, die sich während des Sommers lieber an den Bodensee legt, anstatt in den Urlaub zu fahren. Immerhin gehen 40 Prozent ihres Einkommens für die Miete drauf. Über einen Wohnungskauf denkt sie nach. Aber nachdem in Vorarlberg eher Wohnungen gekauft werden, merke man dies auch an der Höhe des Verkaufspreises und das notwendige Startkapital für einen Kauf fehle auch noch.

450 Euro zum Leben

Während Carmen Platonina mit ihren Wohnkosten an der Grenze zur Überbelastung liegt – der Normbereich liegt bei einem Drittel -, ist bei Claudia S. (Name von der Redaktion geändert) die Wohnsituation deutlich prekärer. „Ohne meine Kinder könnte ich mich nicht über Wasser halten“, sagt Claudia S. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, teilweise bis zu drei Jobs parallel. Trotzdem kann ich mich heute kaum erhalten.“ Mit 50 Jahren musste die dreifache Mutter in Pension, wegen der Bandscheiben, dem Diabetes und psychischen Belastungen. Heute lebt sie in einer 45 Quadratmeter großen Zweizimmerwohnung im Raum Dornbirn, für die sie 815 Euro Warmmiete bezahlt. Zur Verfügung stehen ihr monatlich 950 Euro Mindestpension samt Pflegegeld, sowie 323 Euro Wohnbeihilfe. Nach Abzug der Fixkosten für die Miete bleiben zum Leben noch 450 Euro, von denen die Pensionistin noch die Telefonrechnungen und Versicherungen sowie medizinische Utensilien für ihr Diabetesleiden kaufen muss.

„Von Kleidung, Schuhen oder gar Urlaub rede ich gar nicht erst. Es geht um Dinge, die man wirklich zum Leben braucht“, betont S. Zusätzliche Kosten, wie etwa für eine neue Bettmatratze oder lapidare Dinge, wie ein paar Süßigkeiten, die sie ihrem Enkel schenken will, sind da einfach nicht drinnen.

Hinzu kommt die ständige Ungewissheit, in einem befristeten Mietverhältnis zu leben. „Es ist kein freies Leben mehr, denn die Vermieter können mit einem machen, was sie wollen.“

Politik gefordert

Die 51-Jährige ist davon überzeugt, dass bereits sehr viele Menschen in Vorarlberg, gerade Familien mit kleinen Kindern, armutsgefährdet sind. Ihr Appell richtet sich an die Politiker im Land: „Die Politik muss das Wohnen für uns Vorarlberger wieder leistbar machen.“

Das Land hat sich dieser Problematik bisher mit zwei Initiativen angenommen. Durch „Sicheres Vermieten“ sollen leer stehende Wohnungen zu günstigen Konditionen auf den Markt kommen. Dem Vermieter wird eine Art Ausfallsbürgschaft garantiert. Ein weiterer Fokus liegt auf „Wohnen500Plus“. Dabei werden 65-Quadratmeter-Wohnungen kostengünstig errichtet, die Miete liegt zwischen 500 und 600 Euro (inkl. Betriebskosten). Sieben derartige Bauprojekte wurden und werden in Höchst, Feldkirch, Mäder, Schröcken, Lustenau, Dornbirn und Egg umgesetzt.

„Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“
             Schicksale wie diese ziehen teure Wohnkosten nach sich: Die 51-jährige Claudia S. (Bild oben) musste aufgrund einer Krankheit in Pension. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, teilweise bis zu drei Jobs gleichzeitig“, erzählt die dreifache Mutter. Heute bleiben ihr nach Abzug der Miete (815 Euro für zwei Zimmer) noch 450 Euro für das tägliche Leben. „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, ist das Fazit von Frau S.Auch Carmen Platonina (32, r.) empfindet die Preise fürs Wohnen als hoch. Als Single gibt sie knapp die Hälfte des Einkommens für die Miete aus.

„Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“

 

Schicksale wie diese ziehen teure Wohnkosten nach sich: Die 51-jährige Claudia S. (Bild oben) musste aufgrund einer Krankheit in Pension. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet, teilweise bis zu drei Jobs gleichzeitig“, erzählt die dreifache Mutter. Heute bleiben ihr nach Abzug der Miete (815 Euro für zwei Zimmer) noch 450 Euro für das tägliche Leben. „Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel“, ist das Fazit von Frau S.

Auch Carmen Platonina (32, r.) empfindet die Preise fürs Wohnen als hoch. Als Single gibt sie knapp die Hälfte des Einkommens für die Miete aus.

Fakten zu Wohnkosten in Vorarlberg

Eigentum 57,5 % der Vorarlberger leben in Haus- oder Wohnungseigentum

Durchschnittlich geben Vorarlberger 3846 Euro/m2 für eine Eigentumswohnung aus. Für eine Neubauwohnung wird im Schnitt 321.359 Euro gezahlt.

Miete Durchschnittlich 9 Euro/m2 (inkl. Betriebskosten) werden für eine Mietwohnung ausgegeben.

45 % ihres verfügbaren Einkommens geben Geringverdiener für Wohnraum aus.