Unzufriedenheit prägt den Weltlehrertag am Samstag

Vorarlberg / 04.10.2019 • 16:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mehr Bürokratie, weniger Pädagogik: Viele Lehrer und Direktoren sind mit den aktuellen Entwicklungen im Schulbereich unzufrieden. VN/STIPLOVSEK

Flut von Änderungen, willkürliche Versetzungen, überforderte Direktoren: Lehrerszene ist in Aufruhr.

Altach Heute kommen anlässlich des Weltlehrertages auch die Pädagoginnen und Pädagogen Vorarlbergs zusammen. Man trifft sich im KOM in Altach. 90 Personen haben sich angesagt.

Keine Feierlaune

In Feierlaune sind die Lehrerinnen und Lehrer nicht. Im Gegenteil: Es rumort. „Die Kolleginnen und Kollegen ärgern sich über die Bildungsdirektion und das Ministerium, beziehungsweise über die Schulpolitik des Unterrichtsministeriums“, berichtet Lehrervertreter Willi Witzemann (60). „Die Direktoren beschweren sich über die Flut von Änderungen, die sie zu bearbeiten haben. Viele Kollegen beklagen aber auch den großen Aufwand, den sie an den Schulen aufgrund des Lehrermangels zu bewerkstelligen haben“, ergänzt Witzemann.

Es komme vermehrt zu kurzfristigen Versetzungen und „Notbetrauungen“ an den Schulen, Überstunden und Belastungen einhergehend mit Krankenständen seien die Folge. „Der Aufwand, den die Schulleiter aufgrund der überbordenden Bürokratie zu erledigen haben, hat ein Maß erreicht, dass es vielen Direktoren einfach reicht“, kritisiert Witzemann.

Kuriose Blüten des Datenschutzes

Kuriose Blüten treibe auch die Datenschutzgrundverordnung. „Es werden seit zwei Jahren keine Fahrtkosten mehr ausbezahlt, da die Daten nicht übermittelt werden dürfen. Auch die Noten der Volksschule dürfen nicht an die Mittelschulen überliefert werden und können daher nicht zu den Orientierungsmaßnahmen herangezogen werden“, nennt der Lehrervertreter Beispiele.

Nicht umsonst, glaubt Witzemann, finde man so schwer neue Schulleiter. „Statt diesen Beruf wieder attraktiver zu machen, geschieht das genaue Gegenteil.“

„Statt den Direktorsjob attaktiver zu machen, geschieht das Gegenteil.“

Willi Witzemann, Lehrervertreter

Unterstützung aus Wien

In der Kritik an der großen Schulverwaltungsreform mit der Einführung der Bildungsdirektionen werden die Vorarlberger Lehrer auch von Wien unterstützt. Bundeslehrergewerkschafter Paul Kimberger bezeichnet die Umwandlung der Landesschulräte bzw. Schulabteilungen der Landesregierungen in Bildungsdirektionen als „subotpimal“. Es gebe Verwirrung mit den Zuständigkeiten. Die Folge: In pädagogischen und organisatorischen Fragen seien teilweise keine Ansprechpartner vorhanden, viele Entscheidungen würden nicht getroffen.

Von der Politik wünscht sich der Lehrervertreter neben einer Entlastung der Lehrer und Schulleiter von Verwaltung und Bürokratie auch mehr Unterstützungspersonal an den Schulen.