Appell für „Hausarzt zuerst“

Vorarlberg / 06.10.2019 • 20:06 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ärztekammer und VGKK fordern die Einhaltung der Versorgungspyramide.

Dornbirn „Hausarzt zuerst:“ Mit diesem Appell gehen jetzt Ärztekammer und Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) an die Öffentlichkeit. Zwar gelte in Österreich die freie Arztwahl, vor einem unkoordinierten Zugang wird jedoch gewarnt. Der führe schnell zu überfüllten Praxen und Ambulanzen und damit zu längeren Wartezeiten. Patienten sollen sich stattdessen an die gängige Versorgungspyramide halten. Will heißen: Die Basisversorgung erfolgt durch den Hausarzt, der als erste Anlaufstelle auch entscheidet, ob eine weitere Behandlung beim Facharzt oder im Spital notwendig ist. „Die medizinische Versorgung ist am effizientesten, wenn alle Patienten über die Allgemeinmedizin ins Gesundheitssystem einsteigen“, erklärt der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Burkhard Walla. Der Hausarzt betreue Patienten langfristig und kenne die komplette Krankengeschichte. „Dadurch ist eine individuelle und persönliche Betreuung möglich.“

Belastung für Spitalsärzte

Die Umgehung der Versorgungspyramide belastet auch die Spitalsärzte, wie deren Sprecher, Hermann Blaßnig bestätigt. Dem sei engagiert entgegenzutreten. Außerdem würden sich viele der Patienten in einer Spitalsambulanz nicht am best-point-of-service, also dem besten Behandlungsort befinden. „Dieser wäre die Hausarztordination“, ergänzt Blaßnig. Auch VGKK-Obmann Manfred Brunner unterstreicht die Bedeutung der Versorgungspyramide. „Unser erstes Interesse ist es, die ärztliche Versorgung wohnortnah, unkompliziert und so rasch wie möglich zu gestalten. Dass dabei die Hausärztin bzw. der Hausarzt die entscheidende Rolle einnimmt, versteht sich von selbst“, meint Brunner. „Die Patienten drehen sich nicht unnötig im Kreis, sie kommen direkt an die richtige Adresse. Das erspart ihnen Zeit und Energie und entlastet gleichzeitig das ganze System, was sich wiederum positiv auf die Wartezeiten auswirkt.“

Unmittelbarer Nutzen

Als markantes Beispiel für vielfach fehlgeleitete Arztbesuche werden Hauterkrankungen ins Spiel gebracht. Es komme häufig vor, dass Patienten direkt beim Facharzt oder sogar im Krankenhaus vorstellig würden. „Hier wäre zunächst ein Besuch beim Hausarzt sinnvoll, denn die meisten dermatologischen Erkrankungen können in einer allgemeinmedizinischen Praxis sehr effizient und schnell behandelt werden“, betont Burkhard Walla. Für komplexere Erkrankungen erfolge dann eine Überweisung zum Facharzt oder ins Krankenhaus. In dringenden Fällen kann der Hausarzt auch über das Dringlichkeits­terminsystem der Ärztekammer schnell einen Termin beim Facharzt buchen. „Wenn mehr leichte Hauterkrankungen bei den Hausärzten behandelt werden, sind bei den Spezialisten und in der Spitals­ambulanz mehr Kapazitäten für kompliziertere Fälle frei. Dadurch verringern sich die Wartezeiten auf allen Ebenen der Versorgungspyramide“, verweist Manfred Brunner auf den unmittelbaren Nutzen für die Bevölkerung. VN-MM

„Die Patienten drehen sich nicht im Kreis. Sie kommen direkt an die richtige Stelle.“