Zank im Büro des Gerichtsvorstehers

Vorarlberg / 06.10.2019 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgerichtsvorsteher Othmar Kraft zeigte sonderbaren Klienten an. VN/HB
Bezirksgerichtsvorsteher Othmar Kraft zeigte sonderbaren Klienten an. VN/HB

Mann unter Psychose setzte Richter Othmar Kraft in Bedrängnis, doch ohne Konsequenzen.

Bludenz, Innsbruck Am 20. März dieses Jahres betrat ein junger Mann das Bezirksgericht Bludenz. Der Montafoner ging durch den Gang und bog in das erste Zimmer ab. Ins Büro des Gerichtsvorstehers Othmar Kraft. Ihm gegenüber faselte der Mann dann etwas daher von Abklärungen mit der Bank und dass man ihm finanziell helfen müsse. Er wirkte apathisch und seltsam.

Der Gerichtsvorsteher gab ihm ein Formular, das bei dem Problem weiterhelfen könnte, doch der Mann schleuderte es verärgert auf den Boden. Und er wollte nicht mehr aus dem Büro. „Es war einfach lästig, weil er nicht gehen wollte“, erinnerte sich Kraft bei seiner Zeugeneinvernahme in Innsbruck. Schließlich fiel eine Drohung: „Wenn du mich nicht zu einem reichen Mann machst, töte ich dich.“ Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte er keine Waffe dabei, der Gerichtsvorsteher alarmierte dennoch die Polizei.

Keine gefährliche Drohung

Der Prozess fand in Innsbruck statt, denn in Vorarlberg könnten Richter befangen sein, den Fall neutral zu entscheiden. Die Staatsanwaltschaft sah eine versuchte schwere Nötigung als Anlasstat und stellte einen Antrag auf Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Verteidigerin Andrea Concin sah die Voraussetzungen für eine gefährliche Drohung allerdings nicht für gegeben. Und der Schöffensenat gab ihr recht. Die ganze Situation sei nicht bedrohlich gewesen. Der Kommentar umschreibt es mit „Die Äußerung war nicht geeignet, begründete Besorgnis zu erregen.“ Die Drohung war somit keine gefährliche Drohung im Sinne des Strafgesetzbuches. Der Mann saß lässig auf seinem Stuhl, führte sich nicht wild auf, hatte keine Waffe dabei und wirkte apathisch. Somit scheiterte es bereits an der Voraussetzung des Anlassdeliktes.

Das Gutachten von Reinhard Haller ergibt im Übrigen, dass der Mann zum Tatzeitpunkt unter einer Psychose litt. Ausgelöst durch seinen früheren Drogenmissbrauch. Das ist häufig der Fall. Doch der Patient sei auf einem guten Weg, er mache eine Therapie und spreche angeblich gut auf die Medikamente an.

Somit wird der Montafoner weder zu einer Strafe verurteilt, noch muss er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Das Urteil ist rechtskräftig. Verhält sich der junge Mann in Zukunft gesetzeskonform, muss er mit keinen weiteren Problemen rechnen. EC