Wettlauf um die Eroberung des Weltraums

Vorarlberg / 07.10.2019 • 17:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Otto Schwald und Robert Seeberger gestalteten einen äußerst spannenden Vortrag über das Wettrüsten im All. BI
Otto Schwald und Robert Seeberger gestalteten einen äußerst spannenden Vortrag über das Wettrüsten im All. BI

Spannender Vortrag in der Villa Falkenhorst.

Thüringen War die erste Mondlandung vor fünfzig Jahren nur ein kleiner Schritt oder tatsächlich eine Eroberung des Weltalls? Um die schier unendlichen Dimensionen des Weltalls aufzuzeigen, zog der Astronom Robert Seeberger beim Vortrag „Kalter Krieg im Weltraum“ am Freitag in der Villa Falkenhorst schlüssige Vergleiche. So würden die Distanzen im Sonnensystem, wenn dieses auf 1:107 Millionen geschrumpft würde, folgendermaßen aussehen: Zum Mond würde diese eine Sekunde betragen, während für das gesamte Planetensystem 4 Stunden und 20 Minuten vonnöten wären. Die Milchstraße bestehe aus hundert Milliarden Sternen, wobei über hundert Milliarden Milchstraßen existieren – eine unvorstellbare Dimension. In früheren Jahrhunderten wurde das Weltall als ein großes Räderwerk gesehen, was Seeberger anhand eines alten Holzschnitts verdeutlichte. Es galt, das Universum zu erobern, vergleichbar mit der Eroberung neuer Länder durch die Seefahrer.

Pionier der Raumfahrt

Der zweite Teil des Vortrags wurde von Historiker Otto Schwald gestaltet. „Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben“, zitierte er den Raketentechniker Konstantin Ziolkowski. Schon in der Antike habe es Bestrebungen gegeben, das Weltall zu entdecken. Dies war jedoch nur mit Raketenantrieb möglich. Der Schriftsteller Jules Verne beschrieb fiktional in seinen Romanen fast schon visionäre Vorstellungen von technischen Entwicklungen, die später tatsächlich Realität wurden. Robert H. Goddard war ein Pionier der Raumfahrt, dem es gelang, bereits 1920 extreme Höhen zu erreichen. Allerdings wurde er in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht. In den 1930er-Jahren fand ein Umdenken für die Nutzung der Raketen statt. Nicht die Entdeckung des Weltalls stand mehr im Vordergrund, sondern die Verwendung für militärische Zwecke. Otto Schwald listete minutiös die einzelnen Entwicklungsschritte der Raketenbauer in Deutschland, in den USA und in der Sowjetunion auf. Auch die Nationalsozialisten erkannten die Bedeutung der Raketentechnik und richteten ein entsprechendes Forschungszentrum in Pennemünde ein. Eine herausragende Rolle nahm der Ingenieur Wernher von Braun ein, der später in den USA für die Apollo-Mondlandungen verantwortlich war.

Hohes Gefahrenpotenzial

Die V1, eine Waffe der Nazis, wurde als „Marschflugkörper“ bezeichnet und im Kampf gegen Großbritannien eingesetzt. 1942 erreichte die V2 bereits eine Flughöhe von 174,6 km. Eine Waffe war somit das erste von Menschen geschaffene Werk, das zuerst in den Weltraum vorgedrungen ist. Der gemeinsame Feind Adolf Hitler einte die Großmächte, doch mit dem Miteinander war es schon in den letzten Kriegsmonaten vorbei, der ideologische Unterschied war bereits in den Friedensverhandlungen von Malta spürbar. Ein Wettlauf um die Eroberung des Weltalls begann. Der Begriff „Kalter Krieg“ stammt von George Orwell. Nach den Atombombenabwürfen der USA in Nagasaki und Hiroshima zündeten die Sowjets erstmals 1949 eine Atombombe. Es war jedoch beiden Seiten klar, dass ein Atomkrieg verhindert werden müsse. Dies gelang durch ein „Gleichgewicht des Schreckens“, wobei durch verschiedene weltweite Krisen ein sehr hohes Gefahrenpotenzial bestand. Im wissenschaftlich-technologischen Bereich wurde mit der Raumfahrt ein Weg beschritten, bei dem es mittels Raketen als Transportmittel gelang, den Gegner im eignen Territorium anzugreifen. Außerdem wurden auch Ersatzkriege auf ökonomischer und intellektueller Ebene geführt. Erst durch den russischen Präsidenten Michail Gorbatschow fand 1985 das unheilvolle Wettrüsten ein Ende. BI

„Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber der Mensch kann nicht ewig in der Wiege bleiben.“