Doris Knecht

Kommentar

Doris Knecht

Wie ABBA mein Leben wieder fröhlicher machte

Vorarlberg / 07.10.2019 • 22:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Als ich acht oder neun Jahre alt war, zog meine Familie aus einer Wohnung in das neugebaute Haus. Wir hatten nicht viele Möbel, weil viele in der kleinen Wohnung eingebaut gewesen waren. Jetzt hatten wir ein großen Wohnzimmer, und es war leer. Freunde meiner Eltern schenkten uns eine alte Wohnzimmereinrichtung: eines dieser 60er-Jahre Klappsofas mit zwei eckigen Armfauteuils dazu. Ich kenne keine Familie meiner Generation, die nicht irgendwann auf solchen Möbeln saß, diese waren, wenn ich mich recht erinnere, moosgrün. Zu der Sitzgarnitur gehörte noch etwas: ein alter, braun furnierter Musikschrank. In dem Schrank war, wenn ich mich richtig erinnere, ein großes Radio eingebaut, und hinter einer Klappe befand sich ein Plattenspieler. Ich glaube, die erste Musik, die ich abseits von Radio Vorarlberg hörte, waren die K-tel-Super-20-Schlagerplatten, die entweder schon in dem Schrank drinlagen oder die meine Mutter zu allen heiligen Zeiten beim Donauland bestellte. Ich muss sie mal fragen; aber auf jeden Fall haben sich diese Platten bei mir eingeprägt. Ich weiß bis heute nicht, was dieses „K-tel“ bedeutet, man sprach es „Käitel“ aus, vielleicht war es ein amerikanische Sendestation oder ein britisches Label oder ein großes Kaufhaus mit eigenem Radiostudio, ich will nicht googeln, es ruiniert mir sicher meine schöne Vorstellung.

Jedenfalls waren das die Platten, die wir hatten, mit Roland Kaiser, Cindy & Bert, Costa Cordalis, Roy Black und Howard Carpendale, und Frank Farians „Rocky“, das Teile meiner Adoleszenz in einem melancholischen Tränental verschüttete. Es war gut, dass ich mit 12 oder 13 zu Weihnachten einen Kassettenrekorder bekam, und mein Leben wurde durch Best-ofs von ABBA und Queen, meinen ersten Kassetten, die es damals beim Konsum in einem Ständer gab, wieder viel fröhlicher.

Der Plattenspieler blieb trotzdem in Betrieb: Freunde meiner Eltern schenkten mir meine erste Langspielplatte. Bob Dylans „Dylan“ von 1973. Die Platte begründete meine Begeisterung für Dylan, die bis heute anhält: Noch immer sind alte, schon 1000 Mal gehörte Dylan Songs für mich wie sichere, vertraute Räume, in die ich mich unter meinem Kopfhörer zurückziehe, wenn es rundherum unübersichtlich wird.

Das ist auch der Grund, wieso ich dem Vinyl schnell abtrünnig wurde, als der CD-Player erfunden wurde, denn er hatte eine Wiederholungstaste. Meine zweite Platte war Georg Danzers „Notausgang“, ich kaufte sie im Musikladen in Feldkirch. Den gibt‘s zum Glück immer noch, und er verkauft immer noch Vinyl, und auch ich habe jetzt wieder einen Plattenspieler. Ohne K-tel-Super-20, aber mit Dylan: Denn meine erste Platte besitze ich immer noch, und ich hüte sie wie einen Schatz.

„Das ist auch der Grund, wieso ich dem Vinyl schnell abtrünnig wurde, als der CD-Player erfunden wurde, denn er hatte eine Wiederholungstaste.“

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.