Gewissenskonflikt im Fall Häusle

Vorarlberg / 08.10.2019 • 22:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erleichterung beim ehemaligen Häusle-Geschäftsführer Martin Bösch (r.) und seinem Verteidiger Gerhard Müller. Eckert
Erleichterung beim ehemaligen Häusle-Geschäftsführer Martin Bösch (r.) und seinem Verteidiger Gerhard Müller. Eckert

Ex-Kollege von ehemaligem Geschäftsführer Martin Bösch will nun „alles richtigstellen“.

Christiane Eckert

Feldkirch Der Tag fünf der Causa Häusle beginnt am Landesgericht Feldkirch mit der weiteren Einvernahme des 56-jährigen Drittangeklagten, der den erstangeklagten ehemaligen Geschäftsführer Martin Bösch zunächst belastet hatte, indem er behauptete, von diesem zur illegalen Entsorgung von Gärresten angewiesen worden zu sein. Der 56-Jährige war 2012 Betriebsleiter und 2015 sogar in die Geschäftsleitung aufgestiegen. Er sagt, von Bösch mit „offenen Armen empfangen“ worden zu sein.

„Nie unter Druck“

„Er gab mir zwei Monate Zeit, mich auf dem 33 Hektar großen Areal mit den verschiedenen Anlagen vertraut zu machen und die Mannschaft kennenzulernen“, sagt der Drittangeklagte. In Kursen für Abfallwirtschaftsrecht habe er den Umgang mit Abfällen gelernt, zudem war er für die Wartung der Anlagen zuständig. Es gab immer wieder Sorgen wegen technischer Schäden, doch diese seien für niemand vorhersehbar und auch nicht vermeidbar gewesen. Diese Reparaturaufwendungen hätten zwar genervt, Bösch habe ihn deshalb aber nie unter Druck gesetzt.

Faire Budgets

Als Geschäftsführer hatte Bösch natürlich die Finanzen im Auge. Aber auch was die Entsorgung von Müll betraf, habe es keine unterschiedlichen Standpunkte gegeben. Die Aufforderung, dabei „kreativ“ zu sein, habe sich auf möglichst gute Wertschöpfung und nicht auf illegale Entsorgung bezogen.

Späte Kehrtwende

Bösch’s nachfolgender Geschäftsführer sei derjenige gewesen, der ihn unter Druck gesetzt habe, so der Drittangeklagte: „Er drängte mich aus Kostengründen, kurz vor Weihnachten rund 19 Leute zu kündigen oder zu entlassen.“ Richter Guntram Fischer hakt nach, warum die „Kehrtwende“ von Be- zu Entlastung so spät komme. „Ich brauchte eine dreijährige Lebenspause, um Bösch dort ankommen zu lassen, wo er hingehört“, lautet die Antwort.

„Ich hatte ein schlechtes Gewissen, sonst hätte ich meine Aussage nicht revidiert.“ Der nachfolgende Geschäftsführer habe immer signalisiert, dass nichts passiere, wenn man bei der Aufklärung des Häusle-Skandals kooperativ wäre.

Kein Hass

„Mir war damals klar, wie der Kampf zwischen Bösch und seinem Nachfolger ausgehen würde“, erklärt der Befragte, warum er damals die Seite wechselte und angeblich zu Böschs Lasten log. Auch wenn der Ex-Geschäftsführer schwer mit den getätigten Anschuldigungen zu kämpfen hat, scheint er seinem ehemaligen Kollegen zu verzeihen. „Besser spät als nie“, meint er in einer Pause. Sein ursprünglicher Belastungszeuge hatte damals ein Burnout, jetzt nimmt er noch Medikamente. Für Bösch brachte dieser Abschnitt des Prozesses jedenfalls große Erleichterung, wie man in seinem Blog nachlesen kann.