Hugo Mayer hat mehreren Menschen das Leben gerettet

Vorarlberg / 08.10.2019 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hugo Mayer hat mehreren Menschen das Leben gerettet.

Hugo Mayer half seinen Mitmenschen im Übermaß. Das machte ihn glücklich und zufrieden.

Egg Hugo Mayer (86) konnte nicht anders: Wenn er sah, dass jemand Hilfe brauchte, dann half er. „Ich war voller Kraft. Wenn ich mitbekam, dass es jemandem nicht gut ging, wollte ich, dass es ihm besser geht.“ Seine Passion zu helfen zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben.

Als junger Mann war Hugo Mayer freiwilliger Helfer bei der Lawinenkatastrophe in Blons.
Als junger Mann war Hugo Mayer freiwilliger Helfer bei der Lawinenkatastrophe in Blons.

Er war noch sehr jung, als er im Radio hörte, dass Helfer gesucht werden für die Suche nach den Lawinenopfern in Blons. Daraufhin machte sich der Wälder zu Fuß auf den Weg ins Große Walsertal. Nach einem langen und beschwerlichen Fußmarsch traf er im Katastrophenort ein. Das, was er dort sah und erlebte, hat sich tief in sein Gedächtnis gebrannt. Der junge Mann, der mit einer Schaufel nach Lawinenopfern suchte, entdeckte unter den Schneemassen ein Baby, das in einem Korb lag und wimmerte. Daneben lag seine tote Mutter, die von einem Balken erschlagen worden war. „Das war das schlimmste Bild.“

Der Mutter den toten Sohn übergeben

Auch eine andere Katastrophe taucht  immer wieder vor seinem geistigen Auge auf. 1951 half Hugo als Feuerwehrmann den Großbrand in Bizau zu löschen. Mehrere Häuser brannten damals ab.  „Es war furchtbar. Es sah so aus, als ob das ganze Dorf brennen würde. Mir taten die Menschen leid, die ihr Hab und Gut verloren hatten.“

Und auch das vergisst der Egger nie mehr: Wie er einer Mutter ihren toten Sohn in die Arme legte. „Ich sah, wie der 17-Jährige mit anderen Fußball spielte. Plötzlich brach er zusammen. Ich rannte zu ihm hin. Doch er rührte sich nicht mehr. Ich bin dann mit dem toten Buben durchs ganze Dorf zu seiner Mutter gegangen und habe ihr den Sohn übergeben“, erzählt er, und jetzt ist er so gerührt, dass Tränen in seine Augen steigen.

Das Leben dieses Buben konnte Hugo nicht retten, wohl aber zwei andere. Einmal fischte er an der Bregenzer Ach. Er rettete einen Mann, der mit einem Floß gekentert war und zu ertrinken drohte. „Ich bekam gerade noch seine Hand zu fassen und zog ihn heraus. Der Mann war bereits bewusstlos. Aber dann begann er zu husten.“ Nach diesem Erlebnis trat Hugo der Wasserrettung bei und ließ sich zum Rettungsschwimmlehrer ausbilden. Als solcher brachte er innerhalb von zwei Jahrzehnten zirka 1600 Menschen das Schwimmen bei. Als Hugo in der Badeanstalt Mili sah, dass ein Mädchen nicht mehr aus dem Wasser auftauchte, sprang er ins Wasser und holte es heraus. Der Rettungsschwimmer konnte die Zwölfjährige erfolgreich reanimieren. „Ein Menschenleben retten ist das Höchste. Mehr kann man nicht helfen“, findet Hugo, der aber nicht will, dass seine Leistungen als etwas Besonderes angesehen werden. Denn: „Es ergab sich einfach.“

Ein Leben gerettet mit Hautspende

Und doch: Hugo, der auch 30 Jahre der Bergrettung angehörte, war zur Stelle, wenn jemand Hilfe brauchte. Als seine Nachbarin Maria sich auf dem Vorsäß schwere Verbrennungen zuzog  und er hörte, dass sie ohne Hautspende nicht überleben würde, ging er ins Spital und ließ sich von seinen Oberschenkeln Haut abnehmen. „Ich lag drei Wochen im Krankenhaus. Ich tat das gerne für Maria. Denn ich habe keinen Menschen gekannt, der mehr mitgemacht hat als sie.“

Hugo Mayer initiierte die Errichtung mehrerer Gipfelkreuze auf den Egger Bergen.
Hugo Mayer initiierte die Errichtung mehrerer Gipfelkreuze auf den Egger Bergen.

Der vierfache Vater, der beim Bundesheer arbeitete und es bis zum Regierungsrat und Oberstleutnant brachte, stellte sich auch in seiner Freizeit und später in der Rente in den Dienst der Menschen. Der naturverbundene Mann führte über viele Jahre den Alpenverein Egg und unternahm als Tourenwart Bergtouren mit den Mitgliedern. „Ich habe in 31 Jahren rund 33.000 Teilnehmer gezählt. Sie alle habe ich mit Hilfe von oben heil heim gebracht.“ Aus Dank für unfallfreies Bergsteigen initiierte der tiefgläubige Mann und Marienverehrer die Errichtung  von Gipfelkreuzen auf einigen Egger Bergen.

„Der Landwirt hatte Tränen in den Augen. Und die Kuh auch. Da wusste ich: ,Ich bleibe auf keinen Fall Metzger.'“

Hugo Mayer, Rentner

Als Pensionist kümmerte er sich um seine alten Nachbarinnen, zwei Schwestern. „Ich habe sie 15 Jahre betreut.“ Nach deren Tod unterstützte er zwei betagte Brüder im Alltag.

Hugo Mayer machte viele Bergtouren mit den Alpenvereinsmitgliedern.
Hugo Mayer machte viele Bergtouren mit den Alpenvereinsmitgliedern.

Die Sommer verbrachte der Rentner als Hirte auf der Alpe, „weil ich die Natur und die Tiere mag“. Das war auch der Grund, warum er als junger Mann nicht in die Fußstapfen seines Vaters trat, der eine Metzgerei betrieb. „Mit haben die Tiere leid getan. Einmal kam ein alter Bauer mit seiner alten Kuh zum Schlachthof. Der Landwirt hatte Tränen in den Augen. Und die Kuh auch. Da wusste ich: ,Ich bleibe auf keinen Fall Metzger.‘“            

Der Rentner verbrachte einige Sommer als Hirte auf der Alpe.
Der Rentner verbrachte einige Sommer als Hirte auf der Alpe.