Mathias Hagen-Zwiener ist ein glücklicher Volksschullehrer

Vorarlberg / 08.10.2019 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Vorarlberger Hagen-Zwiener fühlt sich an seiner Schule in Hohenems wohl. Er ist dort neben Direktor Christof Jagg der einzige männliche Pädagoge. VN/HÄMMERLE

Der 38-jährige Lustenauer ist einer der wenigen männlichen Grundschullehrer im Land.

Schwarzach Schulpolitik? Interessiert ihn nur am Rande. Schulsysteme? Auch die beschäftigen ihn nicht wirklich. Mathias Hagen-Zwiener ist dann in seinem Element, wenn er in der Klasse steht, kniet oder sitzt. Mit seinen ihm ans Herz gewachsenen Schülern in der Volksschule Hohenems-Markt.

Der 38-jährige ist nicht nur für seine Kids etwas ganz Besonderes, sondern auch für das ganze System. Mathias Hagen-Zwiener ist ein männlicher Volksschullehrer. Ein Exote also. So gerne sähe man mehr Männer in der Grundschule, damit die Kinder – bei allem Respekt – nicht nur Frauen als pädagogische Bezugspersonen in den Klassen vorfinden. „Ich weiß eigentlich gar nicht, warum das nicht mehr Geschlechtskollegen machen“, lacht der gebürtige Lustenauer. Und ergänzt: „Ich kann für mich nur sagen, dass ich meinen Traumjob ausübe. Es hat mich nie gereut, diesen Weg zu gehen.“

Er und der Direktor

Mathias hatte nach seinem Maturaabschluss mehrere Wege als Option. Er studierte Architektur und fand heraus, dass das nicht das Richtige für ihn ist. Er arbeitete als Lkw-Fahrer und schnupperte die raue Luft der Arbeitswelt. Doch dann dachte er an seine Schulzeit. „Mir fiel besonders mein Volksschullehrer ein, der mich wirklich geprägt hat. Schließlich war für mich klar: Ich gehe an die PädAK und werde Volksschullehrer.“ Er gesellte sich zu den rund 80 Studienanfängern, nur acht davon waren Männer. Aber das spielte für den angehenden Pädagogen keine Rolle. „Als ich dann an die Volksschule Markt kam, fand ich gleich zehn männliche Kollegen vor“, erinnert sich Hagen-Zwiener. Doch die gingen dann einer nach dem anderen in Pension. Heute ist er an der Schule der einzige männliche Lehrer neben Direktor Christof Jagg. In Depressionen hat ihn das nicht gestürzt. „Bei uns herrscht ein wunderbares Arbeitsklima. Ich fühle mich unter meinen Kolleginnen sehr wohl.“

Der Lehrberuf hat in Hagen-Zwieners Augen viele Vorteile. „Du kannst jungen Menschen etwas mit auf den Weg geben. Kinder sind dankbare Schützlinge. Sie lassen sich begeistern und leicht mit ins Boot nehmen. Du musst dir nur ihre Freude zunutze machen. Du musst ihnen das Gefühl geben, dass Lernen etwas Schönes ist, und darfst sie nicht unter Druck setzen“, hört der zweifache Familienvater gar nicht mehr auf, von seinem Traumberuf zu schwärmen.

Ein bisschen streng

Auf Systemdiskussionen will sich Hagen-Zwiener nicht einlassen. „In der Klasse siehst du keine Systeme, sondern Kinder. Da spielt die Bildungspolitik keine Rolle.“ Das System spürt Hagen-Zwiener allerdings ab der dritten Klasse zumindest ein bisschen. „Da entsteht bei einigen schon langsam ein Druck. Kinder, die ins Gymnasium wollen und von ihren Eltern auch in diese Richtung beeinflusst werden. Da sind dann plötzlich auch die Noten wichtig.“ Wobei Hagen-Zwiener kein Gegner der Ziffernnote ist. Gerne outet sich der Volksschullehrer auch als Befürworter einer gewissen Strenge. „Ich habe gerne ein geordnetes Arbeitsklima mit den Kindern. Da braucht es ein bisschen Disziplin.“

Zu tun hat es der passionierte Pädagoge zu Hause freilich auch mit seinen eigenen Kindern. Die stellen ihn vor größere Herausforderungen als seine Schützlinge in der Schule. „Also wenn Lehrer sein so schwer wäre wie Vater sein, dann hätte ich einen äußerst schwierigen Beruf“, schmunzelt der Vater von zwei Töchtern im Alter von vier und sieben Jahren. Immerhin hat er viel Zeit, sich mit ihnen abzugeben. „Das ist natürlich ein Vorteil von unserem Job“, ist der Lustenauer für seine Lebensqualität, die er als Lehrer genießt, dankbar. 

Mathias hagen-Zwiener

Geboren: 25. April 1981

Wohnhaft: Dornbirn

Beruf: Lehrer

Familie: verheiratet, zwei Kinder

Hobbys: alte Autos, Wandern

Lieblingsspeise: Schnitzel und Pommes