„Wir arbeiten sehr nahe am Menschen“

Vorarlberg / 08.10.2019 • 18:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Manja Lorenz schätzt die Vielseitigkeit ihres Aufgabengebiets als Radiotechnologin und Strahlenschutzverantwortliche am Landeskrankenhaus Bludenz. BI
Manja Lorenz schätzt die Vielseitigkeit ihres Aufgabengebiets als Radiotechnologin und Strahlenschutzverantwortliche am Landeskrankenhaus Bludenz. BI

Radiotechnologin und Strahlenschutzverantwortliche.

BLUDENZ Manja Lorenz arbeitet seit 24 Jahren am LKH Bludenz. Ihr Aufgabengebiet ist ein sehr sensibles: Sie ist als Medizinisch Technische Assistentin im Röntgenbereich zuständig, gleichzeitig fungiert sie auch als Strahlenschutzbeauftragte. Zwei Arbeitsfelder, die einander ergänzen und die Manja Lorenz liegen.

 

Wie kamen Sie zu Ihrer Entscheidung, sich zur RT ausbilden zu lassen?

LORENZ Als Kind wollte ich zuerst eine Ausbildung machen, in der ich mit Pflanzen zu tun habe, dann standen Tiere im Fokus und schließlich der Mensch. Da eine Ausbildung zur Krankenschwester mit 16 Jahren damals in Deutschland nicht möglich war, wurden mir von der medizinischen Fachschule die Fachbereiche Labor und Röntgen vorgeschlagen. Die Entscheidung fürs Röntgen fiel mir leicht. Ich würde jederzeit wieder diesen Beruf wählen.

 

Und wie kamen Sie nach Bludenz?

LORENZ Ich komme aus Zeitz, einer kleineren Stadt in der Nähe von Leipzig, also aus der ehemaligen DDR. Nach der Wende wurden sämtliche Krankenhäuser in dieser Gegend geschlossen. Ich hatte eine Fachzeitschrift abonniert und sah dort ein Inserat mit dem Titel „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“. Das hat mich angesprochen, ich bewarb mich und bekam die Stelle in Bludenz. Mir gefällt es ausgesprochen gut hier, denn der Aufgabenbereich ist sehr vielfältig. Und ich schätze vor allem die Arbeit in unserem Team sehr.

 

Wie haben sich die Anforderungen in diesem Beruf seit Ihren Anfangsjahren verändert?

LORENZ Anfangs wurde noch mit Kassetten und Röntgenfilmen gearbeitet. Ich habe während meiner Ausbildung noch die Nassentwicklung der Röntgenbilder kennengelernt. Inzwischen ist alles digitalisiert, was sehr erleichternd ist. Ganz am Anfang gab es noch Einzeiler bei der Computertomographie, da dauerte ein Schädel-CT fünf Minuten. Zudem mussten auch noch die Röhrenkühlzeiten miteinberechnet werden. Nun sind wir bei einem 128-Zeiler, da ist eine Untersuchung in rund 20 Sekunden erledigt.

 

Welche Aufgaben haben Sie als Strahlenschutzexpertin?

LORENZ Wir werden alle dosimetrisch überwacht, im Normalfall bekommen wir keine Strahlung ab. Ich bin speziell für die Mitarbeiter, die im Strahlenbereich arbeiten, zuständig. Das betrifft die Röntgenabteilung, die Mitarbeiter in der Ambulanz sowie OP-Personal, die besonders während unfallchirurgischer Operationen C Bogen-Geräte in Verwendung haben. Strahlenschutz-Fortbildungen, die einmal im Jahr verpflichtend sind, gehören zu meinen Aufgaben. Ich muss mich in diesem Bereich auch laufend weiterbilden, um zu wissen, welche Dosiseinsparungen am CT möglich sind.

 

Was sind die besonderen Anforderungen im Röntgenbereich?

LORENZ Es ist wichtig, die Patienten richtig einschätzen zu können, gerade Kinder und ältere Menschen. Kinder haben oft Angst, wir lenken diese bei der Untersuchung mit Spielzeug ab. Aber manchmal brauchen auch die Eltern eine Betreuung. Eine besondere Herausforderung ist das Röntgen von demenzkranken Menschen. Wir arbeiten sehr nahe am Menschen – da braucht es viel Geduld und Empathie.

 

Was fällt Ihnen eher schwer?

LORENZ Wenn bei Tumornachkontrollen Veränderungen zum Negativen sichtbar werden. Die meisten Patienten kenne ich ja schon lange. Das beschäftigt mich dann sehr. Auch wenn Patienten in meinem Alter so eine Diagnose bekommen. Das stecke ich nicht so einfach weg. BI

Zur Person

MANJA LORENZ

Geboren 21. Oktober 1975

Familie in Partnerschaft

Wohnort Bludenz

Beruflicher Werdegang Ausbildung als Radiologie-Technologin, diverse Weiterbildungen

Hobbys Lesen, Wandern, Mitglied im Kleintierzuchtverein

Lebensmotto Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gerne hätten.