Brigitte Seeberger: „Mutter sein ist der schönste Beruf“

Vorarlberg / 09.10.2019 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sie halten fest zusammen: Brigitte Seeberger und ihre Kinder David, Tobias und Anna (v.l).
Sie halten fest zusammen: Brigitte Seeberger und ihre Kinder David, Tobias und Anna (v.l).

Mit den Kindern kam das Glück in das Leben von Brigitte Seeberger.

Bludenz Mit 16 Jahren stand für Brigitte Seeberger (heute 53) bereits fest: Ich werde einmal Mama. Damals wünschte sie sich fünf bis sechs Kinder. Es wurden dann aber nur drei. Zwei davon sind beeinträchtigt. Tochter Anna (19) leidet an einer auditiven Wahrnehmungsstörung. „Sie kann das Gehörte nicht richtig verarbeiten. Man kam in der Volksschule drauf, weil Anna sehr lernschwach war.“ Sohn David ist geistig und körperlich behindert. Auf sich allein gestellt wäre David (19) völlig hilflos. Er benötigt Hilfe bei der Körperpflege und beim Essen. „Ich muss es ihm zerkleinern und eingeben.“ Der 19-Jährige, der eine Werkstätte der Caritas besucht, kann keine Minute alleingelassen werden. „Ich muss immer präsent sein. Sonst ist er weg oder stellt was an.“ Die Pflege und das Immer-da-sein-Müssen strengen seine Mutter an. „Es braucht ganz viel Kraft. Belastend ist auch, dass er immer Laute von sich gibt.“ Brigitte fühlt sich dauermüde. „Manchmal komme ich mir vor wie ein Spitzensportler.“ Wegen David musste sie die eigenen Bedürfnisse komplett zurückstellen. „Man verzichtet auf das eigene Leben.“

In der Nacht das Kind angeschaut

Aber Brigitte hat sich in ihr Schicksal gefügt. „Es ist einfach so. Ich habe es angenommen.“ Mit dem Herrgott gehadert hat sie nie. Denn: „Ich bin dankbar, dass ich dieses Kind haben darf. David kämpft so tapfer. Ich bete jeden Tag dafür, dass es ihm gut geht, dass er leben und ich ihn behalten darf.“ Ihr behinderter Sohn hat sie schon viel gelehrt. „Von David lerne ich Zufriedenheit und Bescheidenheit. Er ist mit gutem Essen und dem iPad zufrieden. Mehr will er nicht.“ Nach seiner Geburt musste Brigitte mehrere Monate um sein Leben bangen. „David kam in der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt. Er musste geholt werden, weil sein Herz zu versagen drohte. Er lag ein halbes Jahr im Brutkasten.“ In dieser Zeit war ihr Anna eine große Stütze, „weil die Kleine so fröhlich und lebendig war“. Anna ist ein Adoptivkind und kam kurz nach der Geburt zu den Seebergers. „Sie war zwei Tage bei uns. Da erfuhr ich, dass ich schwanger bin, mit David.“

Mit Anna, ihrem ersten Kind, begegnete Brigitte zum ersten Mal dem Wunder des Lebens. Das Muttersein überwältigte die gebürtige Nüzigerin, die sich aus Liebe zu Kindern zur Kindergartenpädagogin ausbilden ließ. „Ich konnte vor Aufregung nicht schlafen und habe in der Nacht nur das schöne Kind angeschaut und bewundert.“ Bei David, ihrem zweiten Kind, überwog die Freude darüber, dass er überlebte. Und Tobias (14), ihren jüngsten Sohn, empfand die Dreifach-Mama als i-Tüpfelchen. „Er ist ein guter Schüler und macht mir auch sonst große Freude.“

„Die Kinder bescheren mir jeden Tag schöne Momente.“

Brigitte Seeberger, Mutter aus Leidenschaft

Brigitte hat jedes ihrer drei Kinder so angenommen, wie es ist, mit den Möglichkeiten, die jedes hat. Sie setzt sich vehement dafür ein, dass jedes sich bestmöglich entfalten kann und jedes alle Chancen bekommt. „Die Kinder sind mein Leben. Für sie tue ich alles. Ich wünsche mir, dass sie glücklich und zufrieden sind.“ Die geschiedene Frau freut es, „dass ich sie ein Stück des Weges begleiten darf“.

Mama sein zu können ist für sie keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk. Es ist das Glück ihres Lebens und „der schönste Beruf, den es gibt. Denn die Kinder bescheren mir jeden Tag schöne Momente.“ Sei es bloß ein Kuss oder eine Umarmung. Dann schlägt Ihr Mutterherz höher, weil sie weiß, dass das Zeichen der Liebe sind. Eine Geste der Liebe ist auch die Karte, die ihr die Kids zum Muttertag schenkten und die Brigitte hoch in Ehren hält. Denn darauf heißt es: „Mama, wir haben dich lieb bis zum Mond und wieder zurück. Wir sind stolz, dass wir deine Kinder sein dürfen. Du hast aus uns tolle und selbstbewusste Menschen gemacht, weil du immer für uns da bist.“