Kleine Dornbirner Dorfkapelle lädt zur stillen Einkehr

Vorarlberg / 09.10.2019 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kapelle „Maria Schnee“ in der Dornbirner Bergparzelle Winsau. BET

Was Kirchen uns von sich erzählen: Die 1872 errichtete Winsauer Kapelle Maria Schnee.

dornbirn In Winsau, an der Wälderstraße gelegen, auf altem Dornbirner Siedlungsgebiet steht die Kapelle „Maria Schnee“. Der erste urkundliche Beweis für die Existenz von Winsau bezeugt ein Zinsbrief des „Petter winsower, zu winsow in tairenburer (Dornbirner) pfarr gelegen“ vom 4. Februar 1478.

Der Brand von 1756

An der Stelle der heutigen Kapelle stand früher ein Bildstock, ab 1786 eine kleine Kapelle und seit 1872 das heutige kleine Gotteshaus, schildert Gerald Bischof von der Pfarre Haselstauden den geschichtlichen Hintergrund. Initiator für den Bau war der Dornbirner Weinhändler Matthäus Thurnher. Die Entstehung des erwähnten Bildstockes ist auf das Gelöbnis eines Dorfbewohners zurückzuführen. Im Jahre 1756 brannten in Winsau von den acht Häusern einige ab. Ein Hausbesitzer gelobte, falls sein Haus verschont bliebe, zum Dank ein Votivbild malen zu lassen und einen Bildstock zu errichten. Anstelle dieses wohl mit der Zeit verwitterten Votivbildes wurde nach dem Bau der heutigen Kapelle ein neues Bild angefertigt. Es wurde auf Blech gemalt in der Größe von 22 x 33 cm. Es zeigte die Madonna mit dem Kind, darunter die erste Kapelle mit der Jahreszahl 1786 und die heutige Kapelle mit der Jahreszahl 1873. Im unteren Teil des Bildes sah man die vom Brand betroffenen und die verschont gebliebenen Häuser. Es befand sich laut mündlichen Berichten noch 1937 in einem Bildstock am Weg, der noch heute vom ehemaligen Gasthaus Traube zur Straße hinaufführt. „Leider ist dieses Bild verschollen“, so Bischof.

Der helle Innenraum lädt zur Andacht und stillen Einkehr.
Der helle Innenraum lädt zur Andacht und stillen Einkehr.

Bei der heutigen Kapelle handelt sich um einen Bau mit rechteckiger Grundform und Südwest/Nordost-Ausrichtung und 3/8- Chor. Beim nordöstlich angelegten Altarraum sind die Außenwände abgerundet. Die einfache Holztür und der Glockendachreiter auf dem Satteldach mit achteckigem Spitzhelm befinden sich südwestlich. Nördlich am Chor liegt die angebaute Sakristei. Über dem Giebel der Eingangsseite befindet sich ein geschindelter Dachreiter mit achteckigem Spitzhelm.

Das geräumige Kirchlein zeigt im klassizistischen Hochaltar die Darstellung der bekannten Legende von Maria Schnee in Rom, gemalt vom Dornbirner Künstler Kaspar Rick, 1875. Beiderseits im Chorbogen sieht man die Bildnisse von St. Wendelin und St. Martin, die vom selben Meister ausgeführt wurden. Zwei Statuen in barocker Fassung links und rechts des Altarbildes stellen Petrus und Paulus dar. Das Deckengemälde zeigt Mariä Krönung. Eine Inschrift am Hochaltarbild besagt, dass Matthäus Thurnher die ganze Einrichtung mit den Gemälden auf eigene Kosten erstellen ließ. Im Zweiten Weltkrieg mussten die beiden Grassmayer-Glocken abgeliefert werden.

Erneuerungen

Dank vieler Eigenleistungen und großzügiger Spenden konnten an der Kapelle im Zeitraum von 1959 bis 1989 wichtige Sanierungen und Erneuerungen durchgeführt werden. 1994/95 war die große und kostenintensive Generalsanierung fällig, denn sie betraf die Altäre, das Deckenfresko, die Kreuzwegstationen, den Fußboden, die Bänke sowie die elektrischen Anlagen und die Beleuchtung. Die Kapelle ist nun ein Kleinod, auf das die Bewohner von Winsau, Adelsgehr und Tobel stolz sein dürfen, ist das kleine Gotteshaus doch bei Hochzeiten und Marienandachten äußerst beliebt. bet