Roter Teppich für das Kirchenvolk

Vorarlberg / 09.10.2019 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Hauch von Hollywood auf dem Dornbirner Marktplatz, nur geht es da nicht um Filmpreise, sondern um kirchliche Belange.vn/steurer
Ein Hauch von Hollywood auf dem Dornbirner Marktplatz, nur geht es da nicht um Filmpreise, sondern um kirchliche Belange.vn/steurer

Diözesanforum berät die Zukunft der Pfarrgemeinden im Land.

Dornbirn Der rote Teppich vor der Kirche St. Martin in Dornbirn ist ausgerollt, aber nicht für den Papst und schon gar nicht für George Clooney. Er gilt jenen rund 900 Teilnehmern, die beim Diözesanforum am Freitag und Samstag zusammensitzen, um sich unter dem Motto „Plan.Los“ Gedanken über die Zukunft der 126 Pfarrgemeinden des Landes zu machen. Das Volk vor der Kirchentüre soll dazu ein paar Antworten liefern. Die Frage, um die es geht, liegt buchstäblich auf der Straße. In großen Lettern prangt sie auf dem roten Teppich. „Was suchst du hier?“, lautet sie kurz und knapp. Viele suchen in einem Gotteshaus schon lange nichts mehr. Nichtsdestotrotz rollt die Kirche auch für sie den roten Teppich aus. „Alles beginnt mit der Sehnsucht“, zitierte Pastoralamtsleiter Martin Fenkart beim Start des Diözesanforums die jüdische Schriftstellerin Nelly Sachs. „Ist die Sehnsucht da, ist Veränderung möglich“, ergänzte er, in der Hoffnung, dass diese Sehnsucht in den kommenden Tagen um sich greift.

Brennende Themen

Mittwochvormittag auf dem Dornbirner Marktplatz: Es regnet in Strömen, dazu ein paar Marktstände und ein paar Leute, die zwischen Obst, Gemüse und Blumen flanieren. Viel ist bei diesem schlechten Wetter nicht los. Eine Abordnung der Militärmusik Vorarlberg hat vor der Kirche Aufstellung genommen. Sie soll mit flotten Märschen die Aufmerksamkeit auf das ungewöhnliche Geschehen lenken. Vertreter der Diözese stehen unter dem ausladenden Dach des mächtigen Gotteshauses und lassen den Tönen verbale Erklärungen folgen. Das Diözesanforum soll das Netz von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Kirche stärken, sie in eine gute Zukunft führen. Wie, auch das wirft Fragen auf. Wie kann Seelsorge mit weniger Priestern und wachsenden Aufgaben organisiert werden? Wie können Menschen erreicht werden, für die der Gottesdienst am Sonntag kein Fixtermin ist? An brennenden Themen mangelt es nicht.

Öffentlicher Gottesdienst

Die Bevölkerung wird trotz verschlossener Kirche von dieser nicht ausgeschlossen sein. „Wir wollen auf dem Teppich bleiben“, bekräftigte auch Martin Fenkart. Deshalb gibt es am Freitag ab 20.30 Uhr einen für alle offenen Gebets- und Inspirationsabend mit Jugendlichen, Taizé-Gesängen, Kerzenlicht, Stille und Gebet, und am Samstag um 18.15 Uhr einen ebenfalls öffentlich zugänglichen Gottesdienst mit Bischof Benno Elbs. Auch für den Pasta Talk am Samstag mit Beginn um 10.15 Uhr in der „wirtschaft“ sind noch Plätze frei. Mit dabei ist unter anderem der Ex-Fußballprofi Peter Hackmair. Zum Abschluss der Auftaktveranstaltung intoniert die Militärmusik standesgemäß noch ein „Halleluja“. VN-MM

„Ist die Sehnsucht erst einmal da, ist oft auch eine Veränderung möglich.“

Weitere Informationen zum Programm unter www.plan-los.at