Spitzbübisch oder streberhaft

Vorarlberg / 09.10.2019 • 21:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Spitzenkandidaten (v.li.): Sabine Schefknecht, Johannes Rauch, Markus Wallner, Martin Staudinger und Christof Bitschi. VN/Lerch
Die Spitzenkandidaten (v.li.): Sabine Schefknecht, Johannes Rauch, Markus Wallner, Martin Staudinger und Christof Bitschi. VN/Lerch

Rhetorikexpertin Lackner analysiert das Auftreten der fünf Spitzenkandidaten.

Schwarzach Am Sonntag wählt Vorarlberg einen neuen Landtag. Zwölf Parteien stehen zur Wahl, fünf davon sitzen bereits im Landtag. Tatjana Lackner hat für die VN diese fünf Spitzenkandidaten analysiert. Sie ist Rhetoriktrainerin und Expertin für öffentliches Auftreten. Schon zahlreiche Politiker sind in ihre Schule des Sprechens gegangen. Ihre Analyse:

Über Sabine Scheffknecht (Neos): „Sie ist ein wonneproppiger Grinsekuchen mit resolut freundlichen Schnellfeuersprüchen. Den Kopf hält sie auch beim Sprechen in Schräglage, was eigentlich auf Zuhörerkooperation hindeutet. Sie wirkt wie eine, die ganz genau weiß, wie das Leben funktioniert und wo es langgeht. Aber es gibt immer wieder grammatikalische Holprigkeiten. Ihre Stimme ist hoch, sie klingt immer ein bisschen echauffiert. Sie verfügt über einen schnelltextenden Lehrerinnenduktus.“

Über Martin Staudinger (SPÖ): „Er wirkt zielstrebig und erinnert optisch an den jungen Eckart Axel von Hirschhausen, dem deutschen Moderator. Sein Eigenmarketing ist ausbaufähig, Teamplay liegt im deutlich besser. Er verliert im Gespräch die Menschen durch seinen wenig fokussierten Blickkontakt, seine Sprache ist wenig bildhaft, dafür kann er ein Problem von mehreren Seiten beleuchten. Bei inhaltlichen Angriffen reagiert er ungeübt, verharmlost und landet schnell in der Rechtfertigungsfalle.“

Über Johannes Rauch (Grüne): „Er ist rhetorisch gewachsen und wirkt bescheiden, aber man findet noch spitzbübisches Blitzen in seinen Augen. Was er nicht abgelegt hat, sind seine Lieblingsfüllwörter „Ähm“ und „massiv“. Er steigert gerne mit „massiv“. Er spricht ruhig und bedenkt immer die drei L der Kommunikation: langsam, logisch, laut. Er wirkt wie der nette Biolehrer, an den man sich Jahre später gerne erinnert. Allerdings verwendet er wahnsinnig lange Sätze. Die Nebensätze können ihn wenig zielstrebig aussehen lassen.“

Über Christof Bitschi (FPÖ): „Er wirkt wie ein braver Streber mit pseudozackigem Rededuktus und weniger gewinnender Mimik. Sein rhetorisches Talent ist bereits entdeckt, aber wohl noch ungefördert, er verwendet viele Bullshit-Bingo-Sätze und wird gelegentlich schmallippig. Zu seinem rhetorischen Arsenal gehören Anaphern und er wirkt wie ein Macher. Auch in den sozialen Medien stärkt er seine Marke. Seine Reden im Landtag klingen hingegen wie Lesungen.“

Über Markus Wallner (ÖVP): „Er ist sattelfest in den Inhalten und ein Klartexter. Er arbeitet gut mit dem Konsequenztalk: Woher kommt ein Problem, woran erkennen wir es und wohin könnte es führen. Seine Lieblingsbeteuerungsvokabel ist „wirklich“. Und er hat etwas, was nicht selten ist, nämlich eine „wie“ und „als“-Schwäche. Sein Ass ist die pragmatische Handschrift, nur einmal ist ihm etwas passiert, nämlich der Abschaumsager. Optisch wirkt er weiterhin wie ein Schwarzer, nicht wie ein Türkiser.“

Die detaillierte Analyse und kurze Interviews mit den Spitzenkandidaten sind in der „VN-Woche“ auf VN.at und allen gängigen Podcast-Plattformen zu hören. VN-mip

„Optisch wirkt er weiterhin wie ein Schwarzer, nicht wie ein Türkiser.“