„Stadttunnel löst Probleme nicht“

Vorarlberg / 09.10.2019 • 20:10 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Aktivisten der Bürgerinitiative StattTunnel machten mit Plakaten auf ihre Kritik an der „Tunnelspinne“ aufmerksam. VN/Schweigkofler
Aktivisten der Bürgerinitiative StattTunnel machten mit Plakaten auf ihre Kritik an der „Tunnelspinne“ aufmerksam. VN/Schweigkofler

Bürgerinitiative kritisiert Feldkircher Tunnelprojekt als „Konzept aus der Vergangenheit“.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Die Bürgerinitiative StattTunnel meldet sich wieder intensiv gegen das Feldkircher Tunnelprojekt zu Wort. Nach einem Info-Abend lud die Gruppe am Mittwoch zu einer Pressekonferenz an die Grenze in Tisis. Aktivisten mit Plakaten überquerten laufend vor der Lkw-Kolonne einen Fußgängerübergang. Mehrere Probleme, die der Tunnel nicht lösen könne, wurden angesprochen. Für die Gegner ist klar: Der Stadttunnel bietet eine Lösung aus der Vergangenheit, mit massiven Auswirkungen für die Zukunft. Nachhaltig sei die Entlastung jedenfalls nicht.

Der Lkw-Rückstau in Tisis etwa. In Feldkirch ein altbekanntes Problem. Morgens stauen sich die 40-Tonner in Richtung Stadtzentrum und warten darauf, dass die Zollabfertigung beginnt. Für den Stadttunnel ein wichtiger Knackpunkt. Denn wenn der Stau in den Tunnel zurückreichen würde, müsste der Tunnel gesperrt werden und der Verkehr wieder durch die Innenstadt geführt werden. Das Zollamt Tisis gewinne zunehmend an Bedeutung für den Lkw-Nord-Süd-Transit, sind die Tunnelgegner überzeugt. Die erhoffte Ausweitung der Lkw-Fahrzeiten im Fürstentum Liechtenstein würde nur zu noch mehr Verkehr führen. Sie glauben, dass es nur eine Lösung geben könnte: Parkplätze bzw. Wartezonen außerhalb von Feldkirch. „Wir fordern deshalb, dass die Bevölkerung jetzt erfährt, wo die vielen Parkplätze gebaut werden und dass hier die betroffenen Gemeinden bzw. die Bevölkerung eingebunden werden.“ Anrainer Ernst Seyringer kritisiert, dass alle bisher gesetzten Ansätze stets auf eine schnellere Abwicklung der Lkw abgezielt hätten. Das habe zu nur noch mehr Verkehr geführt. Dabei sei nur jeder siebte Lkw für Liechtenstein bestimmt, der Rest ist Transit-Verkehr. Der Tunnel ist seiner Meinung nach keine Lösung und werde nur für den Lkw-Verkehr gebaut.

Die Auswirkungen des Stadttunnels auf die Klimaverträglichkeit haben für die Genehmigung keine Bedeutung gehabt. Marlene Thalhammer fordert eine Überprüfung der Auswirkungen, das ergebe sich schon daraus, dass das Land Vorarlberg den Klimanotstand ausgerufen hat. Sie ist überzeugt, dass etwa der Energieverbrauch des Projekts geprüft werden muss.

Friederike Egle, StattTunnel-Sprecherin, kritisierte auch die Wirtschaftlichkeit. Sie geht davon aus, dass der Tunnel mindestens 400 Millionen Euro kosten wird. Landeshauptmann Markus Wallner spreche von einer anspruchsvollen Finanzierung. „Wird einfach umverteilt? Das heißt, es leidet die Bildung oder das Sozialsystem? Oder heißt das neue Schulden?“, kritisiert Egle: „Wir fordern eine anspruchsvolle Finanzierung für zukunftstaugliche Projekte, etwa für eine nachhaltige Verkehrspolitik.“

„Der Stadttunnel wird für den Lkw-Verkehr gebaut, nicht für die Pendler aus dem Walgau.“