Demokratieschulung vor der Landtagswahl

Vorarlberg / 10.10.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schüler diskutieren über Parteien, Politiker, Programme und die bevorstehende Landtagswahl. Am BRG Schoren ist das eine spannende Sache. VN/Lerch
Schüler diskutieren über Parteien, Politiker, Programme und die bevorstehende Landtagswahl. Am BRG Schoren ist das eine spannende Sache. VN/Lerch

Wie Erstwähler am BRG Schoren auf ihre erste Wahl eingestimmt werden.

Dornbirn Wahlpflichtfach Zeitgeschichte am Mittwochnachmittag am BRG Dornbirn Schoren. Acht Schülerinnen und Schüler einer siebten und einer achten Klasse, eine Geschichtelehrerin, ein Thema: die bevorstehende Landtagswahl. „Ich hoffe, ihr geht alle wählen und macht von eurem demokratischen Recht Gebrauch“, sagt Lehrerin Linda Mathis. Kollektives Nicken in der Runde. Nur Angela wendet ein: „Ich sollte noch eine Wahlkarte besorgen. Sonst geht sich das bei mir nicht mehr aus. Am Sonntag kann ich nicht wählen, ich muss arbeiten.“ Das lässt Max, einer von zwei Zwillingen nicht gelten: „Als Staatsbürger ist es deine Pflicht, zu wählen. Ich wäre dafür, dass man wählen muss.“ Angela wird verlegen. „Ja, du hast ja recht.“

Nur zwei noch unschlüssig

„Wer weiß schon, was er wählt?“, fragt die Lehrerin. Sechs Hände fliegen in die Höhe. Nur Felix, der andere Zwilling, und Marian lassen wissen, dass sie sich noch nicht entschieden haben. Felix will seine Ungewissheit bis in die Wahlkabine tragen. „Es gibt für mich zwei Parteien, die ich wählen kann. Ich lasse mich in der Kabine von meinem Gefühl leiten, wo ich das Kreuz hinmache.“ Marian meint, er werde sich in den kommenden Tagen noch entscheiden.

Linda Mathis will nicht wissen, was ihre Schüler wählen. „Ich sage euch auch nicht, was ich wähle.“ Keinesfalls möchte die Geschichtlehrerin in der Klasse Parteipolitik machen. „Ich stelle die Inhalte der Parteien zur Diskussion. Wenn man bei mir womöglich eine Grundhaltung erkennen kann, dann ist es halt so. Ich mache jedoch keine Werbung für eine Partei.“

Analyse von Parteiprogrammen

„Das machen nicht alle so. Von einigen Lehrern wissen wir, welcher Partei sie nahestehen, und daraus machen sie auch kein Geheimnis“, wirft Max ein. Vor allem bei älteren Pädagogen sei das der Fall. Die Jüngeren würden sich davor hüten.

Die Gruppe diskutiert Parteiprogramme. Als Grundlage dafür dient eine Broschüre des aha. In dieser stehen die Antworten aller antretenden Parteichefs auf konkrete Fragen. Man diskutiert das Thema Mobilität. Fast einhellig sind die Jugendlichen der Meinung, dass hier der Grüne Johannes Rauch die besten Antworten hat, während die anderen Parteien bei dieser Frage entweder zu schwammig oder unglaubwürdig argumentieren.

Politische Bildung gewünscht

Wie haben die Schüler den Wahlkampf verfolgt? Welche Medien dienten zur Informationsbeschaffung? Magdalena berichtet, dass eine Lehrerin die Empfehlung von zwei Tageszeitungen als Information für die Nationalratswahl abgegeben habe. Ena informierte sich in den Websites der Parteien über deren Inhalte. Max erzählt, er habe sich einige Politikerduelle im Fernsehen sowie die Elefantenrunde angeschaut. „Aber am Schluss wurde mir das alles zu detailreich und zu persönlich.“

„Mir ist wichtig, dass die Schüler den Wert der Demokratie begreifen.“

Für Lehrerin Linda Mathis ist vor allem eines wichtig: „Dass die Schülerinnen und Schüler den Wert der Demokratie begreifen und erkennen, dass die Möglichkeit, wählen zu können, nicht selbstverständlich ist.“ Immerhin hat sie bei ihren Wahlpflichtfach-Schützlingen zwei Dinge geschafft: Sie wünschen sich alle ein Fach Politische Bildung und gehen bis auf eine Ausnahme alle wählen.