Absolut ist relativ

Vorarlberg / 11.10.2019 • 18:29 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Eine absolute Mandatsmehrheit ist bereits mit weniger als 50 Prozent der Stimmen möglich.

Bregenz Im Wahlkampf geht es darum, eigene Wähler zu mobilisieren und Wechselwähler für sich zu gewinnen. Umfragestarke Parteien müssen tiefstapeln, umfrageschwache Parteien hingegen höhere Chancen kommunizieren. Im Landtagswahlkampf ist vor allem das erste Beispiel gut erkennbar. FPÖ, Grüne, SPÖ und Neos warnen in den vergangenen Wochen stets vor einer absoluten Mehrheit der ÖVP. Die Schwarzen wiederum werden nicht müde zu betonen, dass diese Absolute weit weg sei. Sie geben als Wahlziel aus, über 40 Prozent kommen zu wollen. „Die Taktik ist aus jeder Perspektive verständlich. Schließlich geht es auch darum, jene Wähler zu gewinnen, die zwischen Schwarz und Grün schwanken“, betont Christoph Hofinger vom Marktforschungsinstitut Sora.

Im Grunde haben beide Seiten recht. Laut jüngsten Umfragen liegt die Volkspartei bei 44 Prozent, bei einer Schwankungsbreite von 4,4 Prozent. Die absolute Prozentmehrheit ist also weit weg. Anderes gilt für die absolute Mandatsmehrheit, wie Hofinger im VN-Gespräch vorrechnet.

Nicht nur in Vorarlberg

50 Prozent dürfte die ÖVP nicht erreichen. Für die absolute Mandatsmehrheit könnten jedoch schon 47,7 Prozent reichen, wie Hofinger vorrechnet (siehe Szenario in der Grafik). Entscheidend sind dabei die Stimmen für jene Parteien, die nicht in den Landtag einziehen. Ihre Stimmen werden anteilsmäßig auf die anderen Parteien hochgerechnet. Dann spricht man davon, dass Mandate billiger werden. So geschehen im Jahr 1999 in Vorarlberg. Herbert Sausgruber holte mit der ÖVP 45,8 Prozent, aber 18 von 36 Mandaten. Wie Hofinger vorrechnet, ist das wieder möglich. „Solche Fälle gibt es auch in anderen Bundesländern“, berichtet er. VN-mip

„Es geht darum, jene Wähler zu gewinnen, die zwischen Schwarz und Grün schwanken.“