Fünf Stimmen für den Vorzug

Vorarlberg / 11.10.2019 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die größte Auswahl haben die Wählerinnen und Wähler im Bezirk Feldkirch. Auf dem blauen Stimmzettel stehen zwölf Parteien zur Wahl. VN/Lerch
Die größte Auswahl haben die Wählerinnen und Wähler im Bezirk Feldkirch. Auf dem blauen Stimmzettel stehen zwölf Parteien zur Wahl. VN/Lerch

Bei der Landtagswahl können bis zu fünf Vorzugsstimmen vergeben werden. Sie können durchaus wirken.

Schwarzach Wählen ist einfach: Man muss am Sonntag in sein der 338 Wahllokale gehen, eine der zwölf Parteien ankreuzen, dem Lieblingskandidaten zwei Vorzugsstimmen geben, das war’s. Die Partei mit den meisten Stimmen erhält die meisten Mandate, Kandidaten mit den meisten Vorzugsstimmen dürfen diese Mandate besetzen. Klingt einfach. Beim zweiten Blick wird es komplizierter. Ein Überblick:

Wer zur Wahl steht

Um bei der Landtagswahl antreten zu können, muss eine Partei, die nicht im Landtag vertreten ist, 100 Unterstützungserklärungen pro Bezirk einreichen. Zehn Listen ist es in allen Bezirken gelungen: ÖVP, FPÖ, Grüne, SPÖ, Neos, HAK, Männerpartei, Xi und WIR. Die CPÖ schaffte es in drei Bezirken, Dornbirn fehlt. GILT steht nur auf dem Feldkircher Wahlzettel.

Vorzugsstimmen

Vorzugsstimmen: Fünf Vorzugsstimmen können vergeben werden, müssen es aber nicht. Ein Kandidat kann höchstens zwei Vorzugsstimmen erhalten. Vorzugsstimmen dürfen nur an Kandidaten gehen, die der gewählten Partei angehören, ansonsten sind sie ungültig. Wenn mehr als fünf vergeben werden, sind alle ungültig.

Berechnung

Um mit den Vorzugsstimmen in den Landtag zu kommen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ein Kandidat erhält 24 Prozent des Parteiergebnisses als Vorzugsstimmen. Dann hat er das Mandat fix. Wahrscheinlicher ist die Vorreihung auf der Liste. So zog 2014 Christian Gantner statt Peter Ritter für die ÖVP in den Landtag ein. Die Reihung wird so berechnet:

In Bregenz gibt es höchstens zwölf Mandate zu holen, in Feldkirch zehn, in Dornbirn acht und in Bludenz sechs. Diese Zahl ist für die Reihung relevant. Die Parteistimmen werden beim Listenersten mit der Zahl der zu vergebenen Mandate multipliziert. Beim Listenzweiten ist die Mandatszahl um 0,5 niedriger, und so weiter. Zusätzlich werden die erhalteten Vorzugsstimmen mit 32 multipliziert. Fiktives Beispiel ÖVP Bludenz: Auf Platz drei kandidiert Monika Vonier. Die ÖVP holt 1000 Stimmen, bei Platz drei werden sie mit fünf (6 Mandate minus zweimal 0,5) multipliziert; ergibt 5000 Punkte. Auf Platz zwei kandidiert Christian Gantner. Er erhält 5500 Punkte. Vonier holt 100 Vorzugsstimmen. Die Vorzugsstimmen werden mit 32 multipliziert, was 3200 Punkte ergibt. Gantner holt 50 Stimmen, das sind 1600 Punkte. Vonier kommt auf 8200 Punkte, Gantner auf 7100. Sie würde ihn überholen.

Wahlzahl

Wie viele Mandatare aus den Bezirken in den Landtag kommen, hängt von der Wahlzahl ab. In Bludenz beispielsweise sind 2014 vier Mandate vergeben worden. Die Wahlzahl ergibt sich aus den abgegebenen gültigen Stimmen, damals waren es 30.168. Diese Zahl wird durch die zu vergebenen Mandate plus eins dividiert und aufgerundet. In Bludenz zum Beispiel mit 7 (sechs Mandate plus eins), was die Wahlzahl 4310 ergab. Die ÖVP holte 13.766 Stimmen. Sie erreichte dreimal die Wahlzahl, eroberte also drei Bezirksmandate. Die FPÖ holte mit 6820 Stimmen ein Mandat im Bezirk. Die anderen Parteien blieben unter der Wahlzahl. Alle restlichen Stimmen und die verbliebenen zwei Mandate wurden im zweiten Ermittlungsverfahren über die Landesliste berücksichtigt.

Ergebnisse

Die ersten Wahllokale öffnen um 7 Uhr, die letzten schließen um 13 Uhr. Dann werden die ersten Ergebnisse veröffentlicht. SORA kündigt für 14 Uhr eine erste Hochrechnung an. Das vorläufige Endergebnis wird bis 18 Uhr erwartet, je nach Auszählungsgeschwindigkeit. Darin sind auch schon die meisten Wahlkarten enthalten. Vorzugsstimmenergebnisse gibt es erst am Montag.