Gratulation zum Geburtstag

Vorarlberg / 11.10.2019 • 17:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Hörbranz Im idyllischen, ruhigen oststeirischen Dorf Arzberg kam Theresia Gass (74) als erstes von vier Kindern von Johann und Theresia Kleinberger auf die Welt. Der Vater starb, als die Mutter mit ihrem vierten Kind schwanger war, zehn Jahre später erlag die Mutter einem Krebsleiden. Theresia war 19, ihre Brüder 18 und 12, ihre Schwester neun Jahre alt. Der jüngere Bruder und die kleine Schwester mussten zu einem Pflegeplatz wechseln, ein großer Trennungsschmerz für alle.

Beim Arbeitsamt in Weiz hatte man der 18-jährigen Theresia einen Arbeitsplatz bei der Bettwäschefabrik Herburger-Rhomberg vermittelt, abends um 22 Uhr kam sie mit dem Zug in Vorarlberg an. Mama gab ihr Geld mit, das reichte fürs Fahrgeld und für die erste Übernachtung. Ihr wurde ein Zimmer zugewiesen, das sie mit zwei anderen teilte, und der Neun-Stunden-Tag in der Spinnerei begann sofort. Hilfsbereite Menschen halfen ihr über diese erste schwere Zeit hinweg. Der Oberösterreicher Robert Gass arbeitete in derselben Firma und fand Gefallen an Theresia. Sie unternahmen gemeinsame Wanderungen, was ihr viel Freude bereitete. Zu Weihnachten ist Theresia mit Robert in die Heimat gefahren. Theresia kündigte dann, um die kranke Mutter unterstützen zu können. Die Arbeitssuche in der Steiermark blieb erfolglos. Als die Mutter gestorben war, gingen Theresia und Robert zu seinen Eltern nach Ried im Innkreis in Oberösterreich, wo Robert als Schuhmachergeselle Arbeit fand. Theresia war bereits mit dem ersten Kind schwanger. Als ihr Bub fünf Monate war, kehrten sie nach Vorarlberg zurück, um in Gegenschicht zu arbeiten. Bald kam ihr zweites Kind Eva zur Welt. Inzwischen war Theresia volljährig und sie konnten in kleinem, bescheidenen Rahmen standesamtlich heiraten. Gearbeitet haben sie in Wechselschicht bei F.M. Rhomberg. Eine Wohnung fanden sie in einem bereits zum Abbruch ausgeschriebenen Haus in Dornbirn. Sie wurden dann delogiert und kamen ins Mutter-Kind-Heim nach Feldkirch. Dank der Hilfe anderer bekamen sie dann eine Arbeitsstelle und eine Dachwohnung in Hörbranz. Die war allerdings sehr zugig, ihr drittes Kind, ein Sohn, starb mit vier Monaten an Lungenentzündung. Später wurde noch Tochter Elisabeth geboren. Die Ehe zerbrach, 1982 wurde das Ehepaar geschieden. Nun ist in Theresias bewegtes Leben Ruhe eingekehrt und sie freut sich über ihre schöne Wohnung, den guten Kontakt mit ihren Geschwistern und Kindern, sowie ihren fünf Enkeln und das Urenkelkind. Wandern ist nicht mehr so gut möglich, sie liest sehr gerne Gesundheitslektüre und interessiert sich für Forschung. Ihr Jubiläum wird gemeinsam mit der Familie im „Hirschen“ gefeiert. Herzliche Gratulation!