Kinderbetreuung: Ausbildung in der Sackgasse

Vorarlberg / 11.10.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Qualität ist eines der Hauptkriterien in der Kinderbetreuung. FOTO RINGAREIA

Forderung nach mehr Durchlässigkeit im System.

Bregenz Geredet darüber wurde immer wieder einmal, passiert ist bislang nichts. „Wir brauchen aber eine zweite Bildungsanstalt für Elementarpädagogik im Land, und zwar eine mit öffentlichem Träger“, sagt Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker. Derzeit gibt es mit dem Institut St. Josef in Feldkirch nur eine Ausbildungsstätte, und die kostet. „Viele Eltern können sich diesen finanziellen Aufwand nicht leisten“, berichtet Wiesflecker von öfter gehörten diesbezüglichen Klagen. Positiv bewertet sie die Bemühungen der Pädagogischen Hochschule, ein Studium der Elementarpädagogik zu implementieren. In Österreich können nur Vorarlberg und Tirol noch keine solche Ausbildung anbieten. Gleichzeitig spricht sie sich für die Beibehaltung der von Schloss Hofen angebotenen Schulungen für Mitarbeiterinnen von Kinderbetreuungseinrichtungen aus. Der Haken an dieser Geschichte: Die Ausbildung ist eine Sackgasse, weil deren Anerkennung hinter dem Arlberg endet.

Bewusste Entscheidung

Dabei sind genau diese Qualifizierungslehrgänge eine Erfolgsgeschichte. Seit dem Start vor fünf Jahren wurden 888 Teilnehmer gezählt. „Begonnen haben wir mit 40“, merkt die Soziallandesrätin an. Derzeit befinden sich 237 Frauen in Ausbildung, 651 haben sie bereits erfolgreich abgeschlossen. Lediglich 15 brachen die Aufschulung vorzeitig ab. Für Bea Madlener-Tonetti, Obfrau des Landesverbandes der selbstorganisierten Spiel- und Kindergruppen, ist die Fortbildungsmöglichkeit zur pädagogischen Fachkraft pures Gold wert. „Die Frauen bleiben uns, denn sie haben sich bewusst für diesen Beruf entschieden“, begründet sie. In den meisten Fällen handelt es sich um Wieder-, Um- oder Quereinsteigerinnen. Allerdings beklagt auch Madlener-Tonetti das Fehlen einer bundesweiten Anerkennung. „Es wäre dringend an der Zeit, einen gemeinsamen Nenner zu finden“, meint sie. Es könne nicht sein, dass ein BAfEP-Abschluss die einzig anerkannte Ausbildung bleibe.  

Personelle Engpässe

Katharina Wiesflecker befürwortet ebenfalls den Mix aus pädagogischen Qualifikationen im Kinderbetreuungsbereich. „Wir brauchen BAfEP-Absolventinnen genauso wie in Lehrgängen qualifizierte Fachkräfte“, betont sie. Deshalb müssten beide Zugänge offenbleiben. Will heißen, Interessierte sollen weiterhin ohne Matura in den Beruf einsteigen können. Hier liege viel Potenzial für die Personalrekrutierung, zumal es die meisten BAfEP-Abgänger zuerst in ein Studium statt in eine Kinderbetreuungseinrichtung zieht. Das führt schon jetzt teilweise zu personellen Engpässen. Im Gegensatz dazu ist die Nachfrage nach Schulplätzen im Institut St. Josef groß. Diesen Flaschenhals gilt es laut Wiesflecker durch die Schaffung einer zusätzlichen und in öffentlicher Trägerschaft geführten Ausbildungsstätte zu beseitigen. Bea Madlener-Tonetti ist das zu wenig. Der Landesverband tritt dafür ein, dass auch Maturanten anderer höherer Schulen zum Studium der Elementarpädagogik zugelassen werden. Bestrebungen, dass dieses BAfEP-Absolventen vorbehalten bleiben soll, erteilt der Landesverband eine klare Absage. Er befürchtet schwindendes Interesse am Beruf.