Letzte Hoffnung für Wohnungssuchende

Vorarlberg / 11.10.2019 • 16:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gemeinsam gegen Wohnungsnot: Dekan Erich Baldauf, Michael Hämmerle, LR Katharina Wiesflecker. HA

Zehn Jahre Bonetti Beratungsstelle: Wohnungsvermittlung und Hilfe bei drohender Delogierung.

Dornbirn Hohe Mieten und ein geringes Wohnungsangebot sind  Zutaten für die zunehmende Wohnungsnot. Seit nunmehr zehn Jahren versucht die Bonetti Beratungsstelle für Wohnungssuchende dem Trend entgegen zu steuern. Mit beachtlichem Erfolg, wie die Bilanz, die gestern vorgestellt wurde, zeigt.

1957 gründete Toni-Russ-Preisträger Emil Bonetti das Haus der jungen Arbeiter, das er später selbst „Hotel am Bahnhof“ nannte. Gestrandete fanden dort kurzfristig oder auch über Jahre eine Unterkunft. Dass die Zahl der Bewohner von einst 180 auf 90 gesunken ist, ist auch ein Verdienst des Teams der Bonetti Beratungsstelle, die zwei Jahren nach Bonettis Tod ins Leben gerufen wurde. „Ziel war es, die Plätze in der stationären Wohnungshilfe zu verringern und die Lücke durch eine ambulante Wohnungslosenhilfe zu schließen“, berichtet Bereichsleiter Michael Hämmerle von einer doch recht beachtlichen Erfolgsquote bei der Wohnungsvermittlung.

Dass der Bedarf nach einer eigenen Wohnung enorm gestiegen ist, zeigen die Zahlen: Allein 2018 kontaktierten 1.400 Haushalte im Bezirk Dornbirn die Beratungsstelle, die eng mit den Bezirksgemeinden und der BH zusammenarbeitet. Schwerpunkte der Arbeit sind neben der Vermittlung einer Wohnung auch Information über finanzielle Unterstützungen durch die öffentliche Hand. Tagtäglich klopfen aber auch Menschen an, denen die Delogierung droht. Oft ist es möglich, gemeinsam eine Lösung zu finden. „Dadurch  kann viel menschliches Leid verhindert werden“, weiß Dekan Erich Baldauf, Aufsichtsratsvorsitzender der Kaplan Bonetti GmbH.

Dass sich immer mehr Menschen bei der Wohnungssuche schwer tun, wundert Bereichsleiter Hämmerle nicht: Bei den Mietkosten liegt Vorarlberg im Bundesländervergleich an der Spitze, da reicht das monatliche Einkommen nicht mehr aus, um die Miete zu zahlen. Um den Druck bei der Wohnungssuche zu vermindern, fordert er unter anderem die Wohnungsvergaberichtlinien so zu ändern, dass die wirklich dringenden Fälle schnell zum Zug kommen.

Eine Verschlechterung der Situation befürchtet Landesrätin Katharina Wiesflecker durch neue gesetzliche Regelungen im Bereich Mindestsicherung: „Die nun beschlossene Kürzung von sozialen Leistungen ist in Hinblick auf den explodierenden Mietwohnungsmarkt geradezu absurd.“

Schicksale

Anlässlich des 10-Jahres-Jubiläums erzählen zehn Menschen in einem kleinen Buch ihre Lebensgeschichten, die sie irgendwann in die Beratungsstelle geführt haben. Zusammengetragen wurden die berührenden Berichte von der Schriftstellerin Daniela Egger.