Treue Freundschaft

Vorarlberg / 11.10.2019 • 19:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Cesare Zucconi will keine Kirche, die sich versteckt.Tessera
Cesare Zucconi will keine Kirche, die sich versteckt.Tessera

Kirche muss sich den Menschen wieder öffnen.

Dornbirn Am Mittwoch noch in Rom, am Donnerstag schon in Warschau und an diesem Wochenende beim Diözesanforum in Dornbirn: Cesare Zucconi, Generalsekretär der Gemeinschaft Sant’Egidio, die sich für Arme und Obdachlose einsetzt, ist ein gefragter Referent, aber auch ein engagierter Christ. Die Zukunft der Kirche sieht er darin, dass sie sich öffnet und hinausgeht zu den Menschen.

 

Wie eng sind Sie und die Sant’Egidio mit den Armen verbunden?

Zucconi Hilfe zu leisten bedeutet für uns eine treue Freundschaft zu alten Menschen, zu Kindern an der Peripherie, zu Migranten, zu Obdachlosen, zu Männern und Frauen. Jeder von uns hat einen Armen als Freund, und jeder von uns leistet dieses Engagement ehrenamtlich. Wenn wir als Christen glaubhaft leben wollen, dürfen wir nicht an den Armen vorbeigehen.

 

Wo sehen Sie die Herausforderungen, der sich die Kirche stellen muss?

Zucconi Eine der größten Herausforderungen ist sicher die Globalisierung. Sie macht vielen Menschen Angst, weil es immer noch große Unterschiede zwischen den Völkern gibt. Da werden Grenzen schnell wieder zu Mauern. Unsere Aufgabe muss es deshalb sein, Frieden zu schaffen in einer Welt, wo der Krieg herrscht.

 

Was kann die Kirche dazu beitragen?

Zucconi Die Kirche muss die Türen öffnen und hinausgehen zu den Menschen. Leider agieren manche Pfarreien immer noch wie geschlossene Clubs.

 

Wie lassen sich Menschen, die mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollen, überzeugen?

Zucconi Die Menschen überzeugt man durch das Zeugnis des eigenen Lebens. Wir sind alle Kirche, und deshalb tragen wir alle Verantwortung. Es ist nicht allein Auftrag der Priester, zu handeln. In einer Welt von Individualisten ist die Kirche trotz allem ein „Wir“, und es gibt ein starkes Bedürfnis nach der Botschaft des Evangeliums.

 

Warum ist die Friedensarbeit für Sant’Egidio so wichtig?

Zucconi Der Krieg ist der Vater der Armut. Deshalb ist Friedensarbeit so wichtig. 1992 kam etwa auf Vermittlung von Sant’Egidio der Friedensvertrag von Mosambik zustande, der nach zweijährigen Verhandlungen in Rom unterzeichnet wurde und einen Jahrzehnte andauernden militärischen Konflikt beendete.

 

Wie bewerten Sie die aktuelle Flüchtlingspolitik?

Zucconi Es braucht dringend eine europaweite Lösung. Wir dürfen nicht länger zuschauen, wie Menschen weiterhin im Mittelmeer ertrinken. Ein Beispiel, wie es funktionieren kann, ist der humanitäre Korridor. Die protestantische Kirche und wir haben mit der italienischen Regierung ein Abkommen getroffen, welches uns ermöglichte, Flüchtlingen ein humanitäres Visum auszustellen. Inzwischen konnten wir 3000 Menschen sicher und legal ins Land bringen und integrieren. Es gibt keinen anderen Weg und es wäre schön, wenn möglichst viele europäische Länder diesen Weg der Menschlichkeit und Sicherheit gehen würden. VN-MM