Behinderter Jugendlicher verurteilt

Vorarlberg / 12.10.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der junge Angeklagte mit seinem Verteidiger Josef Lercher vor Richter Richard Gschwenter. Eckert
Der junge Angeklagte mit seinem Verteidiger Josef Lercher vor Richter Richard Gschwenter. Eckert

Geldstrafe für jungen Mann wegen Beitragstäterschaft an einem Einbruchsdiebstahl.

Christiane Eckert

Feldkirch Im Gerichtssaal macht der junge Angeklagte einen vernünftigen, höflichen Eindruck. Er ist durchaus bemüht, gibt Auskunft und will nun endlich die Kurve kratzen. Dass er bereits öfters aus der Bahn geflogen ist, beweisen drei Diversionen (außergerichtlicher Tatausgleich), bei denen man ihm immer wieder die Chance einräumte, Delikte, vor allem Sachbeschädigungen, ohne Vorstrafe aus der Welt zu schaffen. Doch offenbar fruchteten diese Hilfsangebote wenig, denn im Oktober 2018 half er seinem Cousin. Doch nicht etwa beim Umzug oder bei der Arbeit, sondern bei einem Einbruchsdiebstahl.

In Reisebus eingebrochen

Der Verwandte des Teenagers brach in einen Hohenemser Reisebus ein und stahl dort Münzgeld im Wert von 100 Euro. Von dem Geld lud der Einbrecher seinen Cousin auf ein Essen und ein Getränk ein, ansonsten bekam der Helfer nichts. Der Angeklagte hatte damals die Aufgabe gehabt, den Aufpasser zu spielen. Das gilt rechtlich als Beitragstäterschaft zu einem Einbruchsdiebstahl. „Mein Mandant wollte nicht, wurde aber von dem Einbrecher unter Druck gesetzt, bei der Sache mitzumachen“, so die Verteidigung. Anwalt Josef Lercher appelliert an das Gericht, die Strafe nicht zu hoch anzusetzen.

Alles bezahlt

Die Sache wurde bereits einmal vor Richter Richard Gschwenter erörtert, er löste sie damals mittels Diversion. Der Junge bezahlte die auferlegten 300 Euro, doch die Anklagebehörde fand, dass dies eine Chance zu viel war und bekämpfte die Entscheidung. Es soll eine Verurteilung und eine Vorstrafe geben, so der Ankläger. Die Verteidigung legt nochmals Unterlagen vor, wonach der Junge laut Bescheid eine sechzigprozentige Behinderung hat. Er leide unter einer Intelligenzminderung und einer Entwicklungsstörung, so das Gutachten. Das alles wird berücksichtigt und die Strafe wird exakt so hoch bemessen wie die Buße, die der Junge bereits bezahlt hat. Weitere 300 Euro gibt es auf Bewährung. Als Ansprechpartner wird ein Bewährungshelfer bestellt, was der Jugendliche annimmt. „Sie sind jetzt auf einem guten Weg“, so der Richter abschließend. Der Jugendliche hat ein Praktikum hinter sich und macht nun über das AMS einen Kurs. An Unterstützung bekommt er rund 600 Euro pro Monat und wird sozialpsychiatrisch betreut.