Rauch überholte bei letztem Antreten die FPÖ

Vorarlberg / 13.10.2019 • 16:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Johannes Rauch heute nach der Stimmabgabe in Rankweil.

Wahlergebnis ein gutes Argument, um Regierungskoalition fortzusetzen.

Bregenz Vorarlbergs Grünen-Urgestein Johannes Rauch hatte am Wahlsonntag fürwahr leicht Lachen: Bei seiner vierten und zugleich letzten Landtagswahl als Spitzenkandidat steuerte er mit seiner Partei auf ein neues Landtagswahl-Rekordergebnis für die Vorarlberger Grünen zu. Damit hat er nun gute Argumente, die Regierungskoalition mit der ÖVP wie von seiner Seite gewünscht fortzusetzen.

Rauch nutzte die positive Stimmung für die Grünen („Fridays For Future“) und den Rückenwind der Nationalratswahl perfekt aus und belegte mit seiner Partei zum ersten Mal den zweiten Platz bei der Vorarlberger Landtagswahl – die Freiheitlichen wurden von den Grünen deutlich überholt. Eine weitere Schwarz-Grün-Regierung mit Rauch und Katharina Wiesflecker als Grünen-Landesräte scheint sehr wahrscheinlich. So wurde der Urnengang am Sonntag Rauchs letztes politische „Hurra“ auf Landesebene. In fünf Jahren wird Rauch seine politische Karriere beenden („es gibt auch ein Leben nach der Politik“), die Parteiführung will er im Frühjahr 2020 nach den Gemeindewahlen abgeben.

Dabei musste der 60-jährige Rauch bis in den Herbst seiner langen politischen Karriere warten, bis sich nachhaltig Erfolge einstellten. 1997 Parteichef der Vorarlberger Grünen geworden, machte der gleichermaßen zielstrebige wie ausdauernde Rauch in den Folgejahren manche Tiefen – etwa den Verlust der Klubstärke – durch, der durchschlagende Erfolg blieb bis 2014 aus. Auf der persönlichen Ebene stellte eine Krebserkrankung einen immensen Einschnitt dar. „Was mich ausmacht, glaube ich: Ich kann auch fünf oder zehn Jahre an einem Thema dranbleiben“, beschreibt Rauch seinen „langen Atem“. Er sei „beseelt, nicht besessen. Beseelt davon, etwas zu machen und umzusetzen“, so Rauch im APA-Gespräch. Obwohl er eigenen Angaben zufolge auch bei den Bundes-Grünen „alles“ hätte werden können, habe er immer im Land gestalten wollen.

Dass es Rauch mit seiner Partei überhaupt in die Landesregierung schaffte, hat einerseits mit seinem guten persönlichen Draht zu Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) zu tun. Andererseits gelang ihm in weiten Teilen der Spagat, Kompromisse mit der ÖVP zu finden, zu denen auch der Landtagsklub und die Parteibasis – in manchen Fällen mit großem Bauchweh – stehen konnten. Diesbezügliche Streitpunkte gab es in den vergangenen fünf Jahren immer wieder, eine wirkliche Gefahr für die Koalition stellten sie aber nicht dar.

Zu einer neuerlichen Koalition mit der ÖVP – er sah Schwarz-Grün stets auf zwei Perioden angelegt – wird Rauch wohl nicht Nein sagen, wird sich aber auch nicht alles von Wallner diktieren lassen. Man werde nur dann weiter zusammenarbeiten, „wenn das Programm passt“, kündigte er vor der Wahl an. Zentrale Themen bilden dabei Umwelt- und Klimaschutz sowie die Mobilität, seine Steckenpferde und Hauptressorts in der Landesregierung. Beim Klimawandel verweist Rauch gerne auf seine Rolle als frisch gebackener Großvater: Man müsse den nächsten Generationen eine Welt hinterlassen, die Handlungsoptionen offen lasse. Auch beim öffentlichen Verkehr sieht sich der ehemalige Sozialarbeiter erst „auf halbem Weg“ – dieser soll „der zweitbeste nach Wien“ sein bzw. werden.