Vorarlberg in der Hitzefalle

Vorarlberg / 13.10.2019 • 19:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Drei Viertel der Bevölkerung leben in urbanem Raum. Dort wird’s besonders heiß.

SCHWARZACH Hinter dem Arlberg gilt Vorarlberg eher als ländliches Bundesland. Das ist richtig, wenn man an die vielen Berge denkt, und falsch, wenn man sich die bewohnten Gebiete anschaut. Laut Statistik Austria leben drei Viertel der Menschen in einer urbanen Region. Im Bundesländervergleich ist das ein extrem hoher Wert. In Wien sind es 100 Prozent. Sonst handelt es sich überall um weniger als die Hälfte. In Niederösterreich ist es gerade einmal ein Drittel, im Burgenland überhaupt nur ein Dreizehntel. Sprich: Die Masse lebt dort in einer ländlichen Region.

Für Vorarlberg bringt das auch Probleme mit sich. Zum Beispiel im Hinblick auf die Erderwärmung: Sie trifft grundsätzlich alle Regionen, fällt in dicht besiedelten Regionen aber insofern noch heftiger aus, als es dort grundsätzlich wärmer ist. In Wien, wo man das genauer untersucht habe, handle es sich um ein bis zwei Grad zusätzlich, so Maja Zuvela-Aloise von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Von zusätzlicher Erwärmung betroffen seien aber durchaus auch kleinere Städte.

Spürbarer Effekt

Ein bis zwei Grad sind eine Größenordnung, die bescheiden klingt, aber einen spürbaren Effekt hat. In Bregenz gab es von 1980 bis 2010 durchschnittlich fünf Tage mit mehr als 30 Grad im Jahr. Im Laufe der Zeit ist es im Jahresmittel jedoch etwas wärmer geworden. Das Ergebnis ist extrem: Seit 2010 gibt es dreimal so viele Hitzetage, nämlich 14.

Das Phänomen, dass Städte sogenannte Wärmeinseln bilden, ist altbekannt, wie Zuvela-Aloise im Gespräch mit den VN erklärt. Schon vor 100 Jahren habe man sich damit beschäftigt. Von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werde es aber erst jetzt im Zusammenhang damit, dass die Hitzewellen zunehmen. Da ist es in den Ballungsräumen nicht nur tagesüber, sondern auch in der Nacht immer öfter schwer erträglich.

Wärmer ist es in Städten grundsätzlich auch im Winter. Aufgrund der vielen beheizten Häuser. Im Sommer sorgt vor allem der hohe Versiegelungsgrad für schwitzende Menschen: Auf Asphaltflächen, die die Hitze noch dazu speichern, kann es kochen, während es auf Grünflächen daneben gleich einmal erträglich ist.

Ein besonderer Hitzefaktor, der mit der Versiegelung einhergeht, sind Autos, wie Valentina Kofler vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) erläutert. Immerhin laufen ja nicht zuletzt auch noch die Motoren heiß. Das zeigt, wie komplex das Problem ist: Der Umstieg aufs Fahrrad ist noch nicht die Lösung. Nötig wäre auch ein Rückbau von Asphaltflächen. Kofler spricht in diesem Zusammenhang vom Übergang zur „Schwammstadt“: Möglichst viele wasserdurchlässige Oberflächen oder überhaupt Wiesen würden hier dazu beitragen, dass Regenwasser vom Boden aufgenommen, gespeichert und dann wieder verdunstet werden kann; das habe eine kühlende Wirkung.

Die Statistik-Austria-Zuordnung der Bevölkerung basiert auf einer vorgegebenen Gliederung. Das Rheintal bildet demnach – wie Innsbruck und Umgebung, aber auch Wien – ein urbanes Großzentrum. Und allein hier leben eine Viertelmillion Menschen. JOH