Wallner hat leichte Wahl

Vorarlberg / 13.10.2019 • 15:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mit Wahlergebnis gibt es eine Breite Wahl an potenziellen Koalitionspartnern.

Bregenz Beim zweiten Mal hat es für Markus Wallner dann doch ganz gut geklappt. Nach dem Absturz beim ersten Versuch nach der Ära Herbert Sausgruber hat der ÖVP-Landesobmann bei der Vorarlberger Landtagswahl vom Sonntag ein Plus eingefahren. Möglicherweise hatte man sich vor einigen Monaten noch mehr ausgerechnet, die Wiederauferstehung der Grünen macht da aber einen Strich durch die Rechnung.

Wallner hat zwar wieder die absolute Mehrheit verfehlt, aber eine breite Wahl an potenziellen Koalitionspartnern. So kann er es sich sogar leisten, die FPÖ gleich auszuschließen. Der bisherige Partner Grüne stellt sich ebenso an wie NEOS und SPÖ. Am Wahrscheinlichsten ist eine Fortsetzung der „Sieger-Koalition“ mit den Grünen, umso mehr als der Landeshauptmann mit Grünen-Landesrat Johannes Rauch persönlich am besten zu können scheint. Das ist für Rauch auch nötig, denn NEOS und Rote wären wohl die billigeren Partner.

Der Landeshauptmann gilt als weniger konservativ als sein Vorgänger Sausgruber, unter dem eine Koalition mit den Grünen deutlich weniger wahrscheinlich gewesen wäre. Ansonsten führt er im Wesentlichen den Kurs der ÖVP im Land seit Jahren fort. Wirtschaftsfreundlichkeit, solide Finanzen, aber in Menschenrechtsfragen doch offener als die Bundespartei unter Sebastian Kurz (ÖVP), mit dem er kein schlechtes, aber auch kein besonderes Naheverhältnis hat. Dass die Luftballons, die durch den Vorarlberger Wahlkampf flogen, schwarz und nicht türkis waren, ist kein Zufall.

Der 52-jährige Wallner ist das Gegenteil eines politischen Quereinsteigers. Sein politischer Aufstieg zum Regierungschef war jahrelang geplant und gut vorbereitet. Als ehemaliger ÖH-Vorsitzender der Uni Innsbruck (1987-1989) und mit abgeschlossenem Politikwissenschafts- und Geschichtsstudium in der Tasche heuerte er rasch bei der ÖVP-Landesorganisation an. Dort lernte er an politischem Handwerk, was es zu lernen gab: etwa als Büroleiter seines Vorgängers Herbert Sausgruber (1997-1999), als ÖVP-Landesgeschäftsführer und Chefstratege im Landtagswahlkampf 2004, als Klubobmann oder als Landesrat. Als Sausgruber Ende 2011 früher als allgemein erwartet Platz für seinen bevorzugten Nachfolger machte, war Wallner bereit.

Im (politischen) Alltag tritt Wallner geerdet, nicht zu laut und sachlich-nüchtern auf, vermittelt dabei aber auch stets gelassene Freundlichkeit und einen Schuss Dynamik, den man in Vorarlberg mit den Worten „all dra“ (etwa: immer am Werkeln) beschreibt. Anstelle von Ideologie herrscht bei Wallner Pragmatik vor. In erster Linie gilt es für ihn Probleme zu lösen, das hat im Zweifel mehr Gewicht als das klassische Werteschema der Volkspartei, das er als „stark christlich-sozial“ charakterisiert. Freilich gilt: Was er Kompromiss nennt, heißen seine Kritiker zuweilen Beliebigkeit oder Mutlosigkeit.

Geht der dreifache Vater eine weitere Periode mit den Grünen an, wird er wieder bei dem ein oder anderen Verkehrs- oder Tourismus-Projekt gute Nerven brauchen. Aber man kennt sich zwischen Schwarz und Grün mittlerweile gut genug, um zu wissen, was dem anderen zumutbar ist. Und sollten es die Grünen aus Sicht der Schwarzen übertreiben, wird Wallner wohl nicht zögern, eine andere Alternative aus dem Hut zu zaubern.