Causa Häusle: „Antworten waren gelenkt“

Vorarlberg / 14.10.2019 • 22:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Häusle-Prozess Tag sieben am Landesgericht: Einer Relativierung ursprünglicher Angaben durch die Angeklagten folgt die nächste. Sams
Häusle-Prozess Tag sieben am Landesgericht: Einer Relativierung ursprünglicher Angaben durch die Angeklagten folgt die nächste. Sams

Auch der Viertangeklagte relativiert und beschwichtigt seine einst belastenden Aussagen.

feldkirch Auch am siebten Tag der Häusle-Causa bilden die getätigten oder angeblich getätigten Aussagen des einstigen Geschäftsführers Martin Bösch einen wichtigen Bestandteil des Prozesses. Immer noch an der Reihe: der 38-jährige Viertangeklagte, einst Mitarbeiter und Betriebsrat der Recyclingfirma. Nach ausführlicher Befragung scheint heute vieles anders zu sein als damals im Gespräch mit der firmenintern gegründeten „Task Force“. Und der beisitzende Richter Guntram Fischer hakt dementsprechend nach: „Warum heute diese Abschwächung?“ Die Antwort: Die Ermittlungen hätten sich lange hingezogen, der Wissensstand zwischen den Einvernahmen habe sich deshalb geändert, somit seien unterschiedliche, voneinander abweichende Aussagen zustande gekommen.

Außerdem habe man versichert, dass einem nichts passieren könne. Firmeninterne Aufklärung sei im Vordergrund gestanden. „Ich habe nicht gewusst, dass diese Protokolle Teil des Ermittlungsverfahrens werden“, so der Einvernommene. So sagte der 38-Jährige damals noch aus, er habe Martin Bösch darauf hingewiesen, dass der Einbau von Gärresten illegal sei. Heute schlingert die Aussage herum und konkretisiert sich auf Anfrage von Böschs Verteidiger auf die Quintessenz: „Er hat keinen Einbau von Gärresten angeordnet.“ Als man den einstigen Häusle-Mitarbeiter fragt, ob man ihm denn Aussagen in den Mund gelegt habe, antwortet dieser: „Das ist vielleicht zu viel gesagt, aber das Frage-Antwort-Spiel ging sicher in eine bestimmte Richtung, sodass die Antworten gelenkt wurden.“

Eine Menge Gründe

Dass er das Protokoll durchgelesen hat, räumt der Mann ein, doch „nur schnell“ und mit „nicht so viel Aufmerksamkeit“. Der Drittangeklagte, der einstige Betriebsleiter und später in die Geschäftsleitung Berufene, hat sich aufgrund seiner Aussage definitiv ein zusätzliches Problem eingehandelt.

Der 56-Jährige hatte angegeben, Bösch bewusst falsch belastet zu haben. „Weil ich wusste, wie der Kampf zwischen Bösch und Habermann ausgehen wird, habe ich die Seite gewechselt“, so seine Aussage. Dass dieses Verhalten nicht ohne Konsequenzen bleibt, bestätigt die Aussage von Pressesprecher Heinz Rusch: „Die Staatsanwaltschaft prüft, ob ein strafbares Verhalten in Form von Verleumdung oder Begünstigung vorliegt.“ Verleumdung, also Andichten einer Straftat, ist mit bis zu fünf Jahren Haft bedroht, Begünstigung, also Freundschaftsdienste mit geschönten Angaben, mit bis zu zwei Jahren Haft. EC