Christian Heinzle: Ein Straßenkehrer mit einem Lebenstraum

Vorarlberg / 15.10.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christian Heinzle arbeitet seit neun Jahren als Straßenkehrer in Dornbirn. KUM

Christian Heinzle sorgt dafür, dass Dornbirn nicht im Müll erstickt. Er ist gerne Straßenkehrer. Aber am liebsten würde er Lastautos fahren.

Dornbirn Wegen seiner Lernschwäche schaffte es Christian Heinzle (36) nicht, einen Beruf zu erlernen. Sein Handicap fiel in der ersten Klasse Volksschule auf. Daraufhin wechselte der Bub in die Sonderschule. Nach der Schule wollte sich der Lustenauer zum Maurer ausbilden lassen. Aber seine Leistungen in der Berufsschule reichten nicht. In der Folge besuchte er die Berufsvorschule Jugend am Werk. Dort arbeitete er ein halbes Jahr in der Tischlerei. Nachfolgend bekam er eine Lehrstelle bei einer Gebäudereinigungsfirma. Auch diese Lehre musste er wegen schulischer Schwierigkeiten abbrechen. Danach gaben die Dornbirner Jugendwerkstätten dem jungen Mann eine Chance. Diese soziale Einrichtung erleichtert Jugendlichen mit befristeten Arbeitsplätzen den Weg ins Berufsleben. Die Institution war ihm mehrere Jahre eine berufliche Heimat. Dann, im Jahr 2010, übernahm ihn zu seiner Freude die Stadt Dornbirn. „Seither fahre ich mit dem Wägelchen.“

„Bei schönem Wetter grüßen mich Passanten freundlich. Wenn es eine Woche durchregnet, bekommen sie den Mund nicht auf.“

Christian Heinzle, Straßenkehrer

Als Straßenkehrer sorgt Heinzle in Zentrum von Dornbirn für saubere Straßen und Plätze. Dem Stadtpfleger ist bewusst, dass er eine wichtige Arbeit macht. „Ohne uns würde die Stadt im Müll ersticken.“ Seine Arbeit auf der Straße ist nicht ungefährlich. „Zweimal wäre ich beinahe zusammengefahren worden.“ Darum ist er froh, wenn er abends gesund heimkommt. Rund zwölf Kilometer legt der Stadtpfleger mit seinem Wägelchen jeden Tag zurück. Heinzle mag seine Arbeit, weil sie ihn ins Freie bringt und abwechslungsreich ist. Im Herbst hat er es mit viel Laub zu tun, im Winter mit Schnee, im Frühling mit überbordendem Gebüsch und im Sommer mit besonders viel Müll. Auf der Straße begegnet er vielen Menschen. „Bei schönem Wetter grüßen sie freundlich. Wenn es eine Woche durchregnet, bekommen sie den Mund nicht auf.“ Manche sind so dankbar für seine Arbeit, dass sie ihm ein Trinkgeld geben.

Stolzer Besitzer einer Lkw-Sammlung

Obwohl ihm seine Tätigkeit immer wieder Glücksmomente beschert, ist es nicht sein Traumjob. „Lkw fahren. Das ist mein Lebenstraum.“ Mit acht fuhr er zum ersten Mal in einem Brummi mit. Der Bub war so begeistert, dass er seine Eltern wissen ließ: „Ich werde Lkw-Fahrer.“ Diese wussten nun, wie sie ihrem Sohn eine Freude bereiten konnten. Sie schenkten ihm zu Anlässen Lastautos in Miniaturausgabe. Inzwischen ist Heinzle stolzer Besitzer von mehr als 2000 Lastern. 2014 versuchte er den Lkw-Führerschein zu machen. Aber er fiel bei der Prüfung durch. Da haderte er mit sich und seiner Lernschwäche. Inzwischen hat er sich aber wieder mit sich ausgesöhnt und sein Handicap akzeptiert. „Ich bin wie ich bin.“