Lebensqualität bis zuletzt

Vorarlberg / 15.10.2019 • 17:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Renate Sandrell ist mit Leib und Seele Palliativ-Pflegerin. Gleichzeitig ist sie auch gerne als Bäuerin tätig. BI
Renate Sandrell ist mit Leib und Seele Palliativ-Pflegerin. Gleichzeitig ist sie auch gerne als Bäuerin tätig. BI

Renate Sandrell leitet die ARGE Palliativ im Sozialzentrum SeneCura.

Bludenz „Der Begriff Palliativ wird zumeist mit Sterbebegleitung gleichgesetzt und ist daher eher negativ konnotiert. Eine Studie belegt, dass acht von zehn Bewohner in Pflegeheimen Schmerzen haben. Das halte ich mir immer wieder vor Augen. Oft werden Schmerzen gerade bei Menschen mit einer Demenz-Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt, was zu verstörenden Verhaltensweise führen kann. Die Sensibilisierung für dieses Problem gehört in ein palliatives Setting“, erklärt Renate Sandrell. Die diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin hatte bereits im Jahr 2001 einen Palliativ-Basislehrgang absolviert, eine Vertiefung erfolgte durch einen weiteren Ausbildungslehrgang im letzten Jahr. Seit rund zehn Jahren wird im Sozialzentrum SeneCura in Bludenz palliativ gearbeitet, Renate Sandrell hat die Leitung für diesen Bereich inne.

Der Firmpatin nachgeeifert

Ihre Firmpatin war Krankenschwester – und ein großes Vorbild für das kleine Mädchen: „Ich hatte Probleme mit meinen Händen. Meine Patin Ida hat mich immer ganz feinfühlig verbunden. Das wollte ich auch können. Vorrangig wollte ich Kinderkrankenschwester werden, deshalb habe ich die Ausbildung in Innsbruck gemacht. Ich war dann im Akutbereich tätig. Nach den Geburten meiner Kinder blieb ich zu Hause und baute die Sennerei in unserer Landwirtschaft aus. Bei meiner Rückkehr in den Pflegedienst habe ich mich jedoch für die Langzeitpflege entschieden.“ Das SeneCura-Prinzip „Bestens begleitet“ habe sie von Anfang an begeistert und spiegle auch ihren eigenen Grundsatz wieder.

In der Palliativ-Pflege zu arbeiten bedeutet auch eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit: „Bei uns wird niemand gesund entlassen. Die Verweildauer der Bewohner im Sozialzentrum wurde in den letzten Jahren immer kürzer. Es kommen nicht nur betagte Menschen, um hier ihren letzten Lebensabschnitt zu verbringen, sondern auch jüngere Patienten. Durch den breit gefächerten Ausbildungslehrgang mit den dazu gehörenden Praktiken konnte ich mir das erforderliche interdisziplinäre Grundwissen aneignen.“

Ganzheitlicher Ansatz

Das Pflegepersonal in der SeneCura verstehe sich als Bindeglied zu den Angehörigen und den Hausärzten sowie zu anderen Institutionen, das funktioniere ausgezeichnet. Wichtig sei vor allem, dass die Bedürfnisse von neuen Bewohnern rasch erfasst und erspürt werden können. „Uns ist es ein Anliegen, Lebensqualität für Menschen bis zur letzten Minute zu gewährleisten. Dabei ist uns ein ganzheitlicher Ansatz wichtig. Es braucht eine Kombination von Medikation und Zuwendung. So bieten wir beispielsweise Einreibungen und Wickel mit Aroma-Ölen an. Auch Genussmomente sollen gelebt werden. So gibt es etwa beim Essen keine Einschränkungen. Und selbstverständlich ist Schmerzlinderung eines unserer erklärten Ziele“, erläutert die engagierte Gesundheitsfachfrau ihr Konzept der Palliativ-Pflege.

Als Leiterin der ARGE Palliativ legt Renate Sandrell Wert auf die Aus- und Weiterbildung des Teams. Sie arbeitet aber auch nach wie vor aktiv in der Pflege mit: „Ich brauche den direkten Kontakt mit den Bewohnern, sonst geht der Bezug verloren. Den Beruf als Palliativ-Pflegerin, aber auch den als Bäuerin würde ich sofort wieder wählen!“ sagt sie mit Überzeugung. BI

Zur Person

RENATE SANDRELL

Geboren 21. September 1968

Familie verheiratet, drei Kinder, ein Enkelkind

Wohnort Tschagguns

Hobbys Musik (spielt Saxofon in der Harmoniemusik Tschagguns), Lesen (Fachliteratur und Krimis), Ski-Wandern, Wandern, Yoga