Bürgermeister baut Luxusmaisäß

Vorarlberg / 16.10.2019 • 18:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Aushub für das Maisäß von Bürgermeister Burkhard Wachter (kl. Bild) in Ganeu (Vandans) sprengt die gewohnten Dimensionen. VN/Paulitsch, Privat
Der Aushub für das Maisäß von Bürgermeister Burkhard Wachter (kl. Bild) in Ganeu (Vandans) sprengt die gewohnten Dimensionen. VN/Paulitsch, Privat

Zweigeschoßiger Keller mit Wellness-Etage: Dieses Maisäß in Vandans tanzt aus der Reihe.

Vandans In Ganeu oberhalb von Vandans wird kräftig gebaut. Ein Maisäß soll entstehen. Noch sind die Arbeiten in vollem Gange, doch schon jetzt sorgt das Bauvorhaben, das mit dem XXL-Aushub die gewohnten Dimensionen sprengt, für Unmut. Der stattliche Bagger wirkt in der riesigen Baugrube jedenfalls wie ein Spielzeug.

Der Vandanser Bürgermeister Burkhard Wachter hat Pläne für den Bau eines Maisäßes eingereicht, die aus der Reihe tanzen. „Grundsätzlich ist alles korrekt abgehandelt“, lässt Andreas Pfeifer von der zuständigen Bauverwaltung Montafon keine Zweifel am Verfahren. Natürlich falle aber auch der Behörde auf, dass das kein typisches Maisäßgebäude wird, so die Einschränkung. Wie auch: Mit einem zweigeschoßigen Keller, ein Geschoß davon als Wellness-Etage beschrieben, zieht in die einst einfachen, bäuerlichen Unterkünfte ungeahnter Luxus ein. Es sei nicht das, was man sich unter einem kulturhistorisch wertvollen Maisäßgebäude vorstellt, beschreibt dann auch Andreas Pfeifer.

Bau bewilligt

Aber eben alles legal. Darauf weist auch Bürgermeister Wachter in einer Stellungnahme hin.“ Der gültige Bebauungsplan wurde auf Punkt und Beistrich eingehalten“, so der Bauherr. Eine rechtskräftige Baubewilligung liege vor. Es herrsche auch kein Unmut in der Gemeinde über das Bauvorhaben, das er als private Angelegenheit betrachtet, vielmehr versuchten Einzelne erneut ihn „anzupatzen“.

„Daran hat niemand gedacht“

Längst nicht alles, das legal ist, ist auch richtig. In diese Kerbe schlagen die Kritiker. Den Bebauungsplan hat die Gemeindevertretung erst im April 2018 überarbeitet. „Da wurde etwa geregelt, wie hoch ein Maisäß sein darf“, erklärt Nadine Kasper von den Grünen. Niemand hätte allerdings daran gedacht, dass es Beschränkungen in die Tiefe bräuchte. Dass jemand einen zweigeschoßigen Keller bauen würde, damit habe schlicht keiner gerechnet. Ähnlich interpretiert auch die Bauverwaltung in Schruns den überarbeiteten Bebauungsplan. „Vielleicht muss das bei der nächsten Überarbeitung berücksichtigt werden.“

Zu den Lücken im Bebauungsplan kommen Widmungsverhältnisse, die es sonst praktisch nirgendwo im Land gibt. Das Maisäßgebilde Vandans sei jedenfalls ein Spezialfall, weiß auch Andreas Pfeifer. Die Änderungen im Flächenwidmungsplan liegen über zwei Jahrzehnte zurück. Heute dürfen die 61 Objekte im Gebiet Ganeu/Schandang allesamt als Ferienhäuser genutzt werden. Auch jenes des Bürgermeisters, das schon bisher an einen Schweizer Werftbesitzer verpachtet war und der sich nach der Fertigstellung des exklusiven Bauvorhabens über ein Maisäß de luxe in seiner zweiten Heimat freuen darf.

Sanierung des Geländes

Die Arbeiten für die Unterkellerung seien in zwei bis drei Wochen abgeschlossen. Dann werde mit der Sanierung des Geländes begonnen, so Wachter in seiner Stellungnahme. Auch die Bauverwaltung wird die Wiederherstellung des Geländes prüfen. Der Bescheid enthalte entsprechende Auflagen.

Es wächst also bald Gras über die Angelegenheit. „Was bleibt, ist eine schiefe Optik“, sagt Nadine Kasper. Wie schon öfter in Vandans.

„Es ist nicht das, was man sich unter einem kulturhistorisch wertvollen Maisäß vorstellt.“