Frauen im Land arbeiten 100 Tage gratis

Vorarlberg / 17.10.2019 • 19:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Österreichweit erreichen Männer am 21. Oktober das Jahreseinkommen von Frauen, in Vorarlberg noch früher.

Schwarz Frauen sind Männern nicht gleichgestellt. Zu diesem Schluss kommt nicht nur das Europäische Institut für Gleichstellungsfragen. Das zeigt auch der Equal Pay Day, der jenen Tag markiert, an dem Männer bereits jenes Einkommen erwirtschaftet haben, für das Frauen noch bis Jahresende arbeiten müssen. Österreichweit ist das der 21. Oktober, in Vorarlberg der 23. September.

27,2 Prozent Unterschied

Das heißt in Zahlen Folgendes: Während das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen von Männern österreichweit bei 52.033 Euro liegt, erhalten vollzeitbeschäftigte Frauen 41.785 Euro. Das sind um 19,7 Prozent weniger. In Vorarlberg verdienen Männer mit 53.058 Euro vergleichsweise mehr und Frauen mit 38.615 Euro weniger. Die Differenz wächst auf 27,2 Prozent. In keinem anderen Bundesland ist der Unterschied größer, wie eine Aufstellung der Arbeiterkammer zeigt.

Die Statistik Austria untersuchte vor einigen Jahren die Gründe für ungleiche Bezahlung. Zu den wichtigsten Faktoren zählen Branche und Beruf, da Frauen nach wie vor öfter in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und in Branchen mit geringen Verdienstmöglichkeiten arbeiten, während Männer häufiger in besser bezahlten technischen Berufen und Führungspositionen zu finden sind. Einfluss hat auch die Dauer der Unternehmenszugehörigkeit.

Kindererziehung als Knackpunkt

Das wirtschaftsliberale Institut Agenda Austria führt die Einkommensunterschiede vor allem auf die Kindererziehungszeiten zurück. „Mütter bleiben dem Arbeitsmarkt oft lange fern und stehen diesem auch nach der Karenz häufig nur eingeschränkt zur Verfügung. Sie verdienen dann nicht nur weniger als Männer, sondern auch weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen“, schreibt Ökonomin Monika Köppl-Turyna in einem Beitrag. In Österreich sei es immer noch so, dass sich hauptsächlich Frauen eine Auszeit vom Job nehmen müssten. Oft geschehe das in einer Phase, die für die Karriere wichtig wäre. Köppl-Turyna weist ebenso darauf hin, dass Männer ähnliche Effekte erleben, wenn sie ebenso häufig und lange in Karenz gingen.

Frauenministerin Ines Stilling bedauert, dass sich kaum etwas an den bekannten Gründen für die hohen Einkommensunterschiede geändert hat, zumal sich die Unterschiede auch noch in der Pension fortsetzen. Es sei daher wichtig, Frauen frühzeitig und umfassend zu informieren, welche Auswirkungen Lebensentscheidungen auf die eigenständige finanzielle Absicherung im Alter haben.

Ein Index des Instituts für Gleichstellungsfragen verdeutlichte erst kürzlich, wie groß der Nachholbedarf bei der Gleichstellung ist. Von 100 möglichen Punkten kamen die EU-Staaten auf 67,4. Österreich erreichte 65,3. Geht es um Macht, ist die Gleichstellung besonders schlecht. Während der Frauenanteil in Aufsichtsräten auf rund 25 Prozent gestiegen ist, bleibt er in Vorstandsetagen börsennotierter Unternehmen im einstelligen Bereich. In der Politik nahm der Frauenanteil zwar zu. Von Gleichstellung kann aber keine Rede sein. Die Werte verbessern sich nur langsam. Der EU-Index stieg seit 2005 um 5,4 Punkte, Österreich machte seither 5,8 Punkte gut. Der Equal Pay Day verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr bescheiden – von statistischen 101 Tagen auf 100 Tage Gratis-Arbeit für die Frauen in Vorarlberg. VN-ebi

„Mütter verdienen weniger als Männer und auch weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen.“

„Die bekannten Gründe haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert.“