Mit Hunden und Katzen aufgewachsen

Vorarlberg / 17.10.2019 • 19:11 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mischlingshündin Nomi lebt seit 13 Jahren bei Christl Lang.Lang
Mischlingshündin Nomi lebt seit 13 Jahren bei Christl Lang.Lang

Christl Lang duldet keine Ungerechtigkeiten gegen Mensch und Tier.

Heidi Rinke-Jarosch

Bregenz Welch umwerfende Begrüßung! Nomi steht in der Eingangstür der Wohnung in Bregenz-Vorkloster, bellt aufgeregt und stupst die Besucherin mit der Nase an. Nachdem die Mischlingshündin die eingeforderten Streicheleinheiten bekommen hat, zieht sie sich in eine Ecke im Wohnzimmer zurück, lässt sich auf einer Decke nieder und döst.

Ein Leben ohne Tiere ist für Nomis Besitzerin Christl Lang unvorstellbar. „Ich bin mit Hunden und Katzen aufgewachsen“, erzählt die 73-jährige Pensionistin. Dabei wirft sie einen liebevollen Blick auf die Hündin, die seit 13 Jahren Familienmitglied ist.

Wunderbare Kindheit

Liebe zu Tieren, eigentlich zu allen Lebewesen, sei ihr schon als Kind mitgegeben worden: „Meine Eltern vererbten mir diesen Leitgedanken: Ungerechtigkeit gegen Mensch und Tier wird absolut nicht geduldet.“ Außerdem habe sie von ihnen gelernt, „ohne Furcht und Tadel vor der Obrigkeit und anderen Hindernissen durchs Leben zu gehen“.

Sie kam ein Jahr nach Kriegsende, im Juni 1946, in Dornbirn zur Welt, wuchs mit Vater, Mutter, Großmutter und zwei Schwestern – eine ältere, eine jüngere – auf. „Ich hatte eine wunderbare Kindheit und Jugend – immer mit Hunden und Katzen“.

Ihre berufliche Laufbahn hatte indes nichts mit Tieren zu tun. Nach den üblichen acht Grundschuljahren absolvierte Christl Lang die hauswirtschaftliche Berufsschule in Dornbirn. Darauf folgten sieben Jahre im Büro der Mohrenbrauerei. Danach, von 1968 bis zur Pensionierung im Dezember 2011, arbeitete sie in der Schweiz als Chefsekretärin.

In der Mohrenbrauerei begegnete sie der Liebe ihres Lebens: Werner. Er war 46 Jahre lang ihr Partner, ihr Mann. 2011 starb er an den Folgen von Erkrankungen. „Werner war genauso tierliebend wie ich“, erzählt die Witwe. „Ob Vogel, Hund oder Katze – viele verletzte Tiere wurden zu uns gebracht. Wir pflegten sie selber gesund oder brachten sie zum Tierarzt. Für jedes betroffene Tier haben wir die bestmögliche Lösung gesucht.“ Einmal legten ihr Kinder eine verletzte Schwalbe in die Hand. „Werner hat sie mit einer Pipette gefüttert, bis sie gesund war und fortfliegen konnte. Ein Federchen von ihr ist mir noch geblieben.“

Bevor Nomi bei den Langs einzog, hielten sie drei Dackel. Zwei wurden 21 Jahre alt, der dritte, Myriel, 16. Die Hündin starb an gebrochenem Herzen, das habe ein Tierarzt diagnostiziert. „Myriel hat den Tod meines Mannes nicht verkraftet.“

An einem Tag im Jahr 2006 besuchte Christl Lang den Gnadenhof in Hittisau. „Dessen Leiter Rudi Längle gründete damals gerade den Verein ‚Tierhilfe Vorarlberg‘. Er fragte mich, ob ich Vorstandsmitglied werden will. Ich sagte zu.“ Seitdem engagiert sich sich im Verein und für die vierbeinigen Bewohner des Gnadenhofs, der zwischenzeitlich nach Doren ins Gut Bozenau übersiedelt ist. Christl Lang ist vornehmlich für die Organisation der Stände auf den Märkten zuständig: „Es freut mich, dass ich damit Geld für Tierfutter lukrieren kann.“ Zudem unterstützt sie zwei Tierschutzorganisationen im italienischen Apulien. Eine kümmert sich um Straßenhunde, die andere führt ein Tierheim.

„Mir ist es immer gut gegangen“, resümiert Christl Lang. „Mit meiner Familie, mit meinem Mann, in meinem Arbeitsleben.“ Die Kraft, die sie dadurch bekommen hat, setzt sie sowohl für Tiere als auch für Menschen in Not ein. Unter anderem half sie bei Sammelaktionen von Hilfsgütern für Krankenhäuser und Kinderheime in Rumänien mit.

Einen wichtigen Platz in Christl Langs Leben nimmt das Reisen ein. Namibia, China, Indien, Alaska, Arktis, Antarktis zählen zu den Destinationen, welche sie bislang bereist hat. „Ich war schon in vielen Ländern der Welt, aber noch nie im Nenzinger Himmel“, sagt sie und lacht. Unterwegs ist sie mit Reisegesellschaften, einer Freundin oder ihren beiden Nichten. Mit den Nichten durchquerte sie im Sommer Alaska mit dem Auto: „Das waren vier Wochen Abenteuer pur.“ Das Ziel der nächsten Reise steht noch nicht fest: „Patagonien oder Amazonas. Vielleicht die Mongolei. Mal sehen, was sich ergibt.“

Wünsche? Hat doch jeder.

Ihr Mann sei jedoch kein Reisepartner gewesen. „Er blieb zu Hause und kümmerte sich während meiner Abwesenheit um die Tiere.“ Diese Aufgabe haben mittlerweile die Nachbarn Gretl und Hans übernommen. Das Paar wohnt im gleichen Haus und betreut Nomi, wenn Christl Lang in der Weltgeschichte herumgondelt. „Die beiden sind wie eine zweite Familie für mich. Mit ihnen lasse ich oft und gern Abende ausklingen, ganz gemütlich bei Tee und einem Schwätzle.“

Wünsche? Ja, hat doch jeder, sagt sie, und jeder wünscht sich Gesundheit: „Ich auch natürlich, und, dass ich 100 Jahre alt werde.“ Die Voraussetzung dafür ist gut. Christl Lang ist topfit und pflegt eine positive Lebenseinstellung: „Ich bin fast immer gut aufgelegt und den schönen Dingen des Lebens zugeneigt.“ Und jetzt ist es Zeit, Nomi Gassi zu führen. Die Hündin wartet schon schwanzwedelnd vor der Eingangstür.

Zur Person

Christl (Christine) Lang

Geboren 9. Juni 1946

wohnort Bregenz

Beruf Pensionierte Chefsekretärin

Hobbys Tierschutz und Reisen