Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Hofers Weltuntergang

Vorarlberg / 18.10.2019 • 18:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Guten Morgen, Vorarlberg gibt‘s noch. Norbert Gerwald Hofer, statutarischer Bundesobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs, wird es nicht glauben: Das Schlimmste, was er sich vorstellen kann, ist eine schwarz-grüne Koalition. Warum? Weil die Grünen eine „Weltuntergangssekte“ seien. Ja, eine „Weltuntergangssekte“.

Hofer findet das nicht lustig, er meint es ernst. Gut, er ist Burgenländer, da kann man das möglicherweise nachvollziehen: In seiner Heimat haben sich die Grünen noch nie beweisen können. Dort sind sie sehr klein geblieben. Umso mehr aber sollte der 48-Jährige nach Vorarlberg schauen: Hier existiert seit mehreren Jahren eine schwarz-grüne Koalition. Wie in Tirol auch. Und das sind, nebenbei bemerkt, die bestaufgestellten Bundesländer: mit Abstand niedrigste Verschuldung, relativ gute Beschäftigungslage und so weiter und so fort.

Die Wahrheit ist, dass Hofer außer Rand und Band ist. Als Dritter Nationalratspräsident, der er werden möchte, macht er sich untragbar durch seinen Umgang mit den Grünen und ihren 26 Mandataren: Man kann und soll sie kritisch sehen (wie alle anderen). Hofer spricht ihnen aber jegliche Zurechnungsfähigkeit ab und unterstellt ihnen eine gewisse Gemeingefährlichkeit. Fehlt nur noch, dass er fordert, sie zu verbieten.

Deutsches Vaterland

Wenn man bedenkt, dass er statutarischer Chef der FPÖ ist, hat das im Übrigen einen besonderen Beigeschmack: Die Partei hat Mandatare in ihren Reihen, die Burschenschaften angehören, in denen schon einmal ein deutsches – und kein österreichisches – Vaterland besungen wird; oder einen Funktionär, der als Publizist den Holocaust als „sozialistisches Verbrechen“ bezeichnet. Da sollte Hofer vor der eigenen Türe kehren.

Andererseits: So erfolgreich er bei der Bundespräsidentenwahl war, so gering ist seine parteiinterne Bedeutung. Das gibt er indirekt ohnehin zu: Seit 2005 war er stellvertretender Bundesobmann und auch von daher einer der engsten Weggefährten von Heinz-Christian Strache. Von dessen Praktiken, die heute die Staatsanwaltschaft beschäftigen, will er aber nichts mitbekommen haben.

Doch kommen wir zur Gegenwart: Eigentlicher Chef der FPÖ ist Herbert Kickl. Allein schon, dass der ehemalige Innenminister bei der Nationalratswahl viel mehr Vorzugsstimmen erreichte als Hofer und ihn damit vom ersten Listenplatz verdrängte, sagt sehr viel aus über die blauen Maßverhältnisse.

Zickzack statt zack, zack

Vor diesem Hintergrund kann man sich nicht mehr wundern darüber, wie sich Norbert Hofer bei der Regierungsbildung verhält: Nicht zack, zack, zack, sondern zickzack, zickzack. Einmal begibt er sich auf Oppositionskurs, ein anderes Mal bekommt er die Panik, dass die ÖVP von Sebastian Kurz eine Minderheitsregierung bilden oder mit den Grünen koalieren könnte. Klar, dann würde er nicht Vizekanzler werden. Und dann würde wirklich eine Welt untergehen für ihn.

„Einmal begibt er sich auf Oppositionskurs, ein anderes Mal bekommt er die Panik.“

Johannes Huber

johannes.huber@vn.at

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