Vorarlberg, das Land der Linienbusfahrerinnen

Vorarlberg / 19.10.2019 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rheintalbus-Betriebsleiter Dietmar Knothe mit drei seiner Busfahrerinnen. Die Damen machen ihren Job hervorragend. VN/STIPLOVSEK

Das Lenken von öffentlichen Großbussen ist schon längst nicht mehr nur reine Männersache.

Lustenau Nasa (49), Else (59) und Marija (49) treffen sich am Arbeitsplatz. Dort versammeln sie sich um ihr Arbeitsgerät: einen großen, fein herausgeputzten Linienbus. Sie sind diejenigen, die diesen und andere, noch größere Linienbusse fahren und damit Hunderte Vorarlberger täglich sicher durchs Land befördern. Vorarlberg ist ein Land von Linienbusfahrerinnen. In keinem anderen Bundesland sitzen so viele Frauen hinter dem Lenkrad von Linienbussen.

Die das Gefühl haben

„Ich liebe meinen Beruf“, erklärt Nasa, kurz bevor sie bei Rheintalbus ihren Tagesdienst antritt. Die 49-Jährige war vorher im Stickereigewerbe tätig, danach in der Metallindustrie und vor ihrem völligen Bruch mit ihrer alten Berufswelt in der Lebensmittelbranche. „Mir sind die weiblichen Busfahrerinnen aufgefallen. Das hat mir Mut gemacht und mich schließlich dazu veranlasst, mich für diesen Beruf zu bewerben.“ Sie machte den Busführerschein. Bald stellte sich heraus, dass Nasa zu jenen gehört, „die einfach ein Gefühl für das Lenken so großer Fahrzeuge hat“, wie es ihr Chef, Reintalbus-Betriebsleiter Dietmar Knothe, ausdrückt.

Geduldig und nervenstark

Zu dieser Spezies gehört auch Marija. „Vor meinem Berufsantritt hier vor fünf Monaten war ich viele Jahre Lkw-Fahrerin in Kroatien. Dort habe ich auch den Busführerschein gemacht“, gibt Marija Einblick in ihr Berufsleben. „Dass ich einmal Lkw fuhr, hat mir natürlich sehr geholfen.“

Eine noch bemerkenswerteren Berufsweg hat Else hinter sich. Sie ist gelernte psychiatrische Krankenschwester, hat unter anderem am LKH Rankweil und in der Schweiz gearbeitet. Irgendwann bekam sie ein Burn-out. „Danach wollte ich etwas anderes tun. Eine Tätigkeit, bei der ich es aber weiterhin mit Menschen zu tun habe.“ Auch Elsa bewies bald: Sie kann es, das Busfahren.

Die Frauen brauchen für ihren anspruchsvollen Job nicht nur ein gediegenes Maß an Fahrkünsten, sie müssen auch nervenstark sein und Geduld haben. „Natürlich gibt es auch kritische Situationen. Etwa wenn du es mit aggressiven oder betrunkenen Fahrgästen zu tun hast“, erzählt die 59-jährige. Zwei Mal musste sie schon die Polizei rufen. „Aber im Großen und Ganzen konnte ich alle heiklen Situationen gut bewältigen.“

24 Prozent Frauen

„Die Frauen tun uns in unserem Unternehmen sehr gut. Sie sind sehr geduldig. Die Mütter unter ihnen haben zudem ein sehr gutes Gespür vor allem für junge Leute“, lobt Dietmar Knothe seine Fahrerinnen. Von seinen 50 Chauffeuren sind elf Frauen, die in den verschiedensten Schichten die Gebiete Lustenau, Dornbirn und Lochau befahren.

„Die Frauen tun unserem Unternehmen gut. Viele haben ein sehr gutes Gespür.“

Dietmar Knothe, Betriebsleiter Rheintalbus

Das größte Unternehmen des Landes, das Linienbusse stellt, ist die ÖBB Postbus GmbH. Dort sind aktuell 308 Lenker beschäftigt, 72 davon sind Frauen. Das sind knapp 24 Prozent. „Österreichweit sind nur sechs Prozent der in unserem Unternehmen Angestellten Frauen“, hält Betriebsleiter Matthias Schönherr fest. Warum gerade in Vorarlberg der Beruf der Busfahrerin so eine Faszination ausübt? „Vielleicht weil wir Bewerbern den Busführerschein finanzieren und besonders flexible Arbeitszeiten anbieten“, findet ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair eine mögliche Erklärung.