300 Euro für die Tonne

Vorarlberg / 20.10.2019 • 18:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Foodbloggerin Sigrid Gasser gibt Einkaufstipps. Kerber
Foodbloggerin Sigrid Gasser gibt Einkaufstipps. Kerber

Elf Kilogramm genießbare Lebensmittel landen pro Kopf jährlich im Müll. Foodsharing-Projekt steuert dagegen.

Schwarzach, Dornbirn Während weltweit nach wie vor 820 Millionen Menschen an Hunger leiden, gehen 14 Prozent der Lebensmittel verloren, noch bevor sie überhaupt in den Handel kommen. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten Bericht der UN-Organisation FAO zum Welternährungstag hervor. Werden dazu noch jene Nahrungsmittel hinzugerechnet, die in Privathaushalten und im Handel weggeworfen werden, steigt die Summe auf rund ein Drittel.

Die Initiative „Offener Kühlschrank“ will mit ihrem Konzept unsere Wegwerfgesellschaf zum Umdenken bewegen. Das simple Konzept: Wer zu viel Gekochtes zu Hause angehäuft oder eingekauft hat, kann diese Lebensmittel in die Stadtbücherei Dornbirn bringen. „Umgekehrt ist jeder herzlich eingeladen, sich am ‚Offenen Kühlschrank‘ zu bedienen“, erklärt Initiatorin Ingrid Benedikt. In großen europäischen Städten gibt es solche sogenannten Foodsharing-Konzepte schon seit Längerem.

Klimaschädigend

Während die Verschwendung in sogenannten Entwicklungsländern eher am Anfang der Produktionskette entsteht, landen Lebensmittel in Industrieländern vor allem in Haushalten und in der Gastronomie im Müll. In der EU sind private Haushalte für die Hälfte der verschwendeten Nahrungsmittel verantwortlich.

Allein in Vorarlberg landen pro Kopf durchschnittlich elf Kilogramm genießbare Lebensmittel im Abfall, österreichweit sind es 157.000 Tonnen im Jahr. Das entspricht pro Vorarlberger Haushalt etwa 300 Euro, die jedes Jahr buchstäblich im Müll landen. Auf das ganze Land hochgerechnet summiert sich die Verschwendung auf 45 Millionen Euro. Dieses Verhalten schadet nicht nur dem Geldbeutel, sondern auch der Umwelt. Denn die Nahrungsmittelproduktion an sich ist laut Weltklimarat ein wesentlicher Faktor der Erderwärmung. Entlang der gesamten Nahrungsmittelproduktionskette entstehen rund 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen: „Das ganze Essen wird unter Aufwand von Ressourcen angebaut, produziert, abgepackt und herumgekarrt – und dann wird es weggeworfen“, bedauert Ingrid Benedikt, die den „Offenen Kühlschrank“ als Umweltprojekt sieht.

Auf politischer Ebene wäre ein Wegwerfverbot für Supermärkte eine Option, um Lebensmittelverschwendung einzudämmen. In Tschechien gibt es seit heuer eine entsprechende Novelle, die größere Geschäfte dazu verpflichtet, unverkäufliche Lebensmittel an Hilfsorganisationen abzugeben. In Österreich könnte ein solches Verbot auch bald eingeführt werden. Im September kündigte die ÖVP nämlich an, sie wolle in der kommenden Legislaturperiode ein solches Wegwerfverbot beschließen.

In Vorarlberg kann der „Offene Kühlschrank“, den es seit einem Jahr gibt, jedenfalls ein erfreuliches Fazit ziehen: „Das Projekt wird gut angenommen, was auch der gut frequentierten Lage der Stadtbibliothek geschuldet ist.“ Zwei Interessenten planen ähnliche Projekte in Bludenz und in Bregenz. Zudem sei ein zweiter Kühlschrank in Dornbirn im Gespräch. Die Initiative will zukünftig verstärkt mit Lehrpersonen zusammenarbeiten, um Kinder und Jugendliche früh zu sensibilisieren. VN-MIH

Auch im eigenen Haushalt lässt sich Lebensmittelverschwendung verhindern, etwa durch richtiges Einräumen des Kühlschrankes.Gemüsefach Hier sollten Obst und Gemüse möglichst getrennt in eigenen Schubladen aufbewahrt werden. Temperatur +8 bis +10°C.Unten Im kühlsten Bereich – oberhalb des Gemüsefaches – ist der Platz für Fisch und Fleisch. Temperatur +2°C.In der Mitte Im nächsthöheren Fach sollten Milchprodukte aller Art gelagert werden. Temperatur +5°CGanz Oben Bei etwa +8 bis +10°C  sind Eingelegtes, Marmeladen, Chutneys, Saucen, Tupperware und Dressings gut aufgehoben.

Auch im eigenen Haushalt lässt sich Lebensmittelverschwendung verhindern, etwa durch richtiges Einräumen des Kühlschrankes.

Gemüsefach Hier sollten Obst und Gemüse möglichst getrennt in eigenen Schubladen aufbewahrt werden. Temperatur +8 bis +10°C.

Unten Im kühlsten Bereich – oberhalb des Gemüsefaches – ist der Platz für Fisch und Fleisch. Temperatur +2°C.

In der Mitte Im nächsthöheren Fach sollten Milchprodukte aller Art gelagert werden. Temperatur +5°C

Ganz Oben Bei etwa +8 bis +10°C  sind Eingelegtes, Marmeladen, Chutneys, Saucen, Tupperware und Dressings gut aufgehoben.

Restlos glücklich

Köchin Sigrid Gasser betreibt mit laendlekitchen.at einen Foodblog und gibt Kochkurse, die sich unter anderem mit Resteküche befassen. Der achtsame Umgang mit Lebensmitteln fängt allerdings schon beim Einkauf an. Folgende Tipps hat Sigrid Gasser:

» Vor dem Einkaufen sollte man etwas gegessen haben. Wer hungrig einkaufen geht, wird immer zu viel einkaufen.

Ein Einkauf sollte geplant und mit Einkaufszettel gemacht werden. Vorher Vorräte überprüfen.

» Es empfiehlt sich, einen wöchentlichen Essensplan zu erstellen, der auf die Arbeitszeiten der Familienmitglieder abgestimmt ist.

» Meist verlocken Angebote, die nur in größeren Mengen zu erwerben sind. Hier gilt es zu überlegen, welche Speisen kann ich aus dem Überschuss kreieren, sodass ein anderes Gericht entsteht. Aus einer großen Packung Kalbsbratwürste kann zum Beispiel mit übrigem Brot oder Brezel sowie den restlichen Würsten Brezen-Weißwurst-Knödel mit Senfsauce kreiert werden.

» Regionale und saisonale Waren kaufen. Die Umwelt wird es danken, die Gesundheit ebenfalls.

» Obst und Gemüse nicht abgepackt, sondern lose kaufen, etwa beim Bauern, um die benötigte Mengen zu kaufen. Wer doch einmal zu viel gekocht hat, kann auch mal seine Nachbarn damit überraschen.