Eine Baustelle mit Seltenheitswert

Vorarlberg / 21.10.2019 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bauausschussmitglied Robert Schierl, Vorsteher Ulrich Brode und Architekt Michelangelo Zaffignani vor der Empore im Kirchenraum. VN/Paulitsch
Bauausschussmitglied Robert Schierl, Vorsteher Ulrich Brode und Architekt Michelangelo Zaffignani vor der Empore im Kirchenraum. VN/Paulitsch

So wird das neue Gotteshaus, das in Bregenz entsteht.

Bregenz Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Baustelle kaum von anderen Baustellen, dennoch hat sie im Jahr 2019 Seltenheitswert und ist selbst für erfahrene Architekten wie Michelangelo Zaffignani etwas Besonderes. „Eine Kirche zu planen, ist für einen Architekten ein Traum. Es gibt keine Steigerung mehr. Da bedient man alle Ebenen“, schwärmt er.

An der Bregenzer Arlbergstraße/Ecke Nideggegasse entsteht seit Februar ein neues Gotteshaus. Bauherr ist die Neuapostolische Kirche. Mittlerweile ist der Rohbau fertig. Einen Turm oder andere typische Symbole sucht man allerdings noch immer vergebens. Der Unterschied liegt in diesem Fall im Detail. „Die Neuapostolische Kirche verzichtet generell auf große Symbolik. Wir haben trotzdem versucht, eine tiefere Bedeutung in das Gebäude zu geben: in Form eines Kreuzes im Grundriss“, erläutert Zaffignani und zeigt dabei auf die Erschließungsgänge. „Dadurch ist das Kreuz auf allen Ebenen präsent.“ Die alte Kirche war nur einen Steinwurf von der Baustelle entfernt. „Sie war nach über 50 Jahren baufällig und ein Stück zu groß. Eine Sanierung hätte viel Geld gekostet“, berichtet Vorsteher Ulrich Brode. 2016 entschied man sich daher für einen Neubau. Durch einen Grundstückstausch wurde es möglich, die Kirche direkt an die Arlbergstraße zu verlegen. Dahinter und daneben errichtet Condor drei Wohnbauten. Der Wettbewerb wurde gemeinsam ausgeschrieben. „Wir haben die Lage der Kirche an der neuralgischen Ecke gesehen. Das ist das Signal an die Gesellschaft: Wir sind hier, wir sind wichtig“, führt der Architekt aus. Vor Kurzem haben die Verglaser ihre Zelte auf der Baustelle aufgeschlagen. In wenigen Wochen soll die Hülle dicht sein. Der Kirchenraum wird mit Holz verkleidet. Ansonsten darf sich jedes Gewerk „präsentieren“. Die Wände sind aus Sichtbeton. Die Fassade besteht aus rund 30.000 Klinkersteinen. Über dem Altar befindet sich ein großes Oberlicht. Mütter mit Kindern können den Gottesdienst bei Bedarf vom Mütterzimmer aus verfolgen. Es gibt WCs, eine Garderobe, einen Gemeinschaftsraum, eine Küche, einen Fahrstuhl, Hörschleifen für Hörgeschädigte im Kirchenraum und große Fenster. Außerdem ist die neue Kirche mit einem Satelliten ausgestattet. „Drei bis viermal im Jahr werden bei uns große Gottesdienste weltweit übertragen“, ergänzt Bauausschussmitglied Robert Schierl. Die feierliche Einweihung ist Ende April 2020 geplant. vn-ger

Ende April soll die neue Neuapostolische Kirche eingeweiht werden.
Ende April soll die neue Neuapostolische Kirche eingeweiht werden.