Kinderbetreuung boomt

Vorarlberg / 22.10.2019 • 18:51 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Erwartungen an die Kinderbetreuung steigen. Für die Kleinen soll bestens geschultes Personal zur Verfügung stehen.Pzwei/gmeiner
Die Erwartungen an die Kinderbetreuung steigen. Für die Kleinen soll bestens geschultes Personal zur Verfügung stehen.Pzwei/gmeiner

Bregenz bietet Hilfe bei Einrichtung von Ausbildungsplätzen an.

Bregenz Darüber geredet wird nur hinter vorgehaltener Hand. Öffentlich äußern sich Betroffene nicht gerne. Dabei ist Fakt, dass sich auch in der Kinderbetreuung ein akuter Personalmangel anbahnt. Kaum verwunderlich also, dass Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker mit ihrer Forderung nach einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik (BAfEP) unter öffentlicher Trägerschaft beim Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart offene Türen einrennt. „Wir brauchen dringend eine zweite Ausbildungsstätte“, betont Linhart mit Verweis auf den steigenden Betreuungsbedarf im Kleinkind- und Kindergartenbereich. Er könnte sogar eine Lösung anbieten. Ab 2020 wird die Volksschule Rieden frei. Dort wäre Platz für eine BAfEB, meint Linhart. Es gebe zwar schon andere Konzepte für die Räumlichkeiten, aber: „Wir würden die alle zurückstellen.“ Der Bregenzer Stadtchef sieht in dieser Frage auch die neue Landesregierung am Zug.

Schulgeld als Hinderungsgrund

Wie berichtet, gibt es jetzt schon ein Defizit an ausgebildetem Kinderbetreuungspersonal. Die privat geführte BAfEP im Institut St. Josef in Feldkirch vermag längst nicht alle Interessenten aufzunehmen. Zudem muss Schulgeld bezahlt werden, was ebenfalls ein Hinderungsgrund ist. Erst jüngst hat auch Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker deshalb die Notwendigkeit einer öffentlich geführten Schule betont. „Alle anderen Bundesländer verfügen über eine solche“, begründete Wiesflecker im VN-Gespräch. Da es sich bei einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik um eine Berufsbildende Höhere Schule handelt, müssten die Weichen aber vom Bund gestellt werden. Ungeachtet dieser Fragen drängt Markus Linhart auf die Realisierung des Projekts. „Jedes Kind hat das Recht auf einen Betreuungsplatz“, führt er aus. Dieses Versprechen sei derzeit jedoch nur mit Ach und Krach zu halten.

Die Kinderbetreuung boomt laut Linhart, die Personalrekrutierung erweise sich allerdings als mühsam. Neben regionalen Ausschreibungen in Vorarlberg wird österreichweit und besonders im süddeutschen Raum um Mitarbeiterinnen geworben. Zudem versucht die Stadt Bregenz, Praktikantinnen der BAfEP einen Platz in ihren Kinderbetreuungseinrichtungen schmackhaft zu machen. „Wir setzen außerdem stark auf die duale Ausbildung“, erklärt Alexandra Kargl, Abteilungsleiterin für Gesellschaft und Soziales. Derzeit verfügen zehn Mitarbeiterinnen über einen dualen Ausbildungsplatz, wobei dafür Kooperationen mit der Fachakademie für Sozialpädagogik in Lindau sowie der BAfEP in Feldkirch bestehen „Allein heuer haben wir 15 neue Mitarbeiterinnen eingestellt“, ergänzt Bürgermeister Markus Linhart. Aktuell sind in den Kinderbetreuungseinrichtungen und Kindergärten der Landeshauptstadt 201 Personen beschäftigt.

Erhöhter Personalbedarf

Die Zahl der zu betreuenden Kinder in den städtischen Kindergärten ist in den vergangenen sechs Jahren um 15 Prozent gestiegen. Derzeit werden in 36 Gruppen 725 Kinder betreut, ab Herbst 2020 sind es 37 Kindergartengruppen. Der Bedarf an Ganztagsgruppen nimmt ebenfalls zu. Von 2015 bis 2019 kam es zu einer Verdoppelung von drei auf inzwischen sechs Ganztagsgruppen. „Dies bedeutet automatisch einen erhöhten Personalbedarf“, erläutert Alexandra Kargl. Ein Unsicherheitsfaktor ist außerdem die Gruppengröße. Ihrer Einschätzung zufolge ist nicht abzusehen, inwieweit diese zu halten ist, weil die pädagogischen Anforderungen auch durch den Bildungsrahmenplan stetig wachsen würden.

Beeinflusst wird der Personalbedarf weiters durch die Anforderungen im Bereich der Sprachförderung, der Inklusion sowie die Aufnahme von Dreijährigen in den Kindergarten. In der Kleinkindbetreuung werden derzeit vier Gruppen mit 56 Kindern geführt. 2015 waren es noch zwei Gruppen mit 18 Kindern in einer Einrichtung. Mittlerweile gibt es bereits drei Standorte. „Wir bieten jede Hilfe an, die es braucht, um eine zweite Ausbildungsstätte für Kinderbetreuungspersonal zu realisieren“, sieht Markus Linhart die Dringlichkeit seines Anliegens durch die Entwicklung bestätigt. VN-MM

„Das Recht auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind ist nur mit Ach und Krach zu halten.“