In Hohenems pfeift ein weißer Spatz von den Dächern

Vorarlberg / 23.10.2019 • 10:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Leserreporter Andreas Ender gelang es, ein scharfes Foto zu schießen.

Der Vogel hat einen Gendefekt. Das kommt in der Natur gar nicht so selten vor, sagt inatura-Experte Klaus Zimmermann.

Geraldine Reiner

Hohenems Auf den ersten Blick sah er irgendwie exotisch aus. Ein ausgebüxter Kanarienvogel vielleicht? Nach mehreren Tagen gelang es VN-Leserreporter Andreas Ender schließlich, den kleinen Vogel vor die Linse zu bekommen. „Als ich ihn endlich fotografieren konnte, sahen wir, dass es ein weißer Spatz ist, der mit seinen normalen Artgenossen um die Häuser fliegt“, berichtet der Anrainer von seiner gefiederten Entdeckung in der Mauthausstraße in Hohenems. 

Laune der Natur

Normalerweise sind Haussperlinge, umgangssprachlich auch Spatzen genannt, an ihrer grau-braunen Färbung gut zu erkennen. Das außergewöhnliche Federkleid des Hohenemser Exemplars ist sozusagen eine Laune der Natur. „Es handelt sich hierbei um Leuzismus. Das ist ein Gendefekt, der dazu führt, dass die Haare oder Federn weiß und die darunterliegende Haut rosa sind, weil die Haut keine farbstoffbildenden Zellen hat. Der Unterschied zum Albinismus ist, dass beim Albinismus die Zellen zwar vorhanden, aber unfähig sind, den Farbstoff Melanin zu bilden“, erläutert Klaus Zimmermann von der inatura-Fachberatung. Ebenfalls auffallend: Die Augen und der Schnabel des Spatzes sind normal gefärbt. Leuzismus kommt laut Zimmermann in der Natur gar nicht so selten vor. Bei den Amseln oder Krähen zum Beispiel hat das schwächste Junge oft ein paar weiße Federn. „Das wächst sich aber meistens aus“, weiß der Experte.

Gefährliches Leben

Der „Weißling“ aus Hohenems („soweit erkennbar, ist er männlich“) unterscheidet sich nicht nur optisch von seinen Artgenossen, er lebt ohne Tarnfarbe auch ziemlich gefährlich. „In der Natur tut sich so ein Tier schwer. Es fällt natürlich auf und ist für einen Greifvogel die erste Beute“, ergänzt Zimmermann. Zum anderen habe der Vogel auch selbst wenig Chancen, Beute zu fangen, weil er so auffällig ist.

Komplizierte Partnersuche

Das dürfte aber bei Weitem nicht das einzige Problem sein, mit dem der weiße Spatz künftig zu kämpfen hat. Der dunkle Farbstoff schützt Zimmermann zufolge nämlich auch vor UV-Licht. Leuzistische Tiere hätten daher oft Hautprobleme. Durchaus vorstellbar sei auch, dass der kleine Vogel bei der Partnersuche Schwierigkeiten hat. Klaus Zimmermann ergänzt: „Vögel schauen sehr stark auf Äußerlichkeiten. Weiße Vögel sind da einfach fad.“