Kehrt um bei der Bildung? Neue Regierung, neue Perspektiven

Vorarlberg / 23.10.2019 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine lebendige Schule, die nach neuesten pädagogischen Standards ausgerichtet ist: Das wünschen sich viele Eltern und Pädagogen. HB

Bei türkis-grüner Bundesregierung wäre ein Paradigmenwechsel in der Schulpolitik denkbar.

Schwarzach Für den glühenden Anhänger der schwarz-blauen Bildungspolitik, ÖAAB-Lehrersprecher Wolfgang Türtscher (64), steht fest: „Die neue Regierung, auch wenn sie türkis-grün werden sollte, wird die von ihren Vorgängern geschaffenen Reformen bei der Bildung nicht zurücknehmen.“ Türtschers Begründung für die aus seiner Sicht positive Prognose: „Werner Kogler hat die Bildungspolitik nie in den Vordergrund gestellt. Im Falle einer Einigung bei einigen Themen würde die Bildung nicht zum Paket gehören. Das Faßmann-Paket würde nicht aufgeschnürt.“

Vor allem bei der wieder diskutierten Modellregion Vorarlberg sieht Türtscher keine Chance auf Umsetzung. „Hier sieht das Bildungsreformgesetz die Zustimmung der Schulgemeinschaft an jedem Standort vor. Von daher sehe ich keine Chance auf Umsetzung der Modellregion.“

Hoffen auf neue Impulse

Harald Walser (66), ehemaliger Bildungssprecher der Grünen im Nationalrat, glaubt zwar nicht, dass die Grünen im Falle einer Koalitionseinigung mit den Türkisen den neuen Bildungsminister stellen würden, sehr wohl aber an neue Impulse. „Ich würde hoffen, dass sich in Sachen Modellregion Vorarlberg etwas bewegt. Zudem denke ich, dass man die verpflichtende Wiedereinführung der Ziffernnote in Volksschulen und die Deutschförderklassen zurücknehmen könnte.“

Die ÖVP, so glaubt Walser, würde das Bildungsressort nicht aus der Hand geben. „Nicht deswegen, weil Kurz beim Volk dadurch an Zustimmung einbüßen würde. Sehr wohl aber, weil er seine Machtbasis bei einer seiner treuesten Unterstützergruppen, den in der Bildung auf Retrokurs befindlichen ÖAABlern , auf keinen Fall verlieren möchte.“

Wunsch nach mehr Personal

Gudrun Brunner (61), Direktorin der Mittelschule Höchst, glaubt in einer neuen Regierungskonstellation an eine Wiederbelebung des Projekts gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. „Egal wie die Regierung ausschaut, dieses Projekt gehört wieder mit ganzem Engagement in Angriff genommen“, fordert die Schulleiterin, die gerade ihr letztes Dienstjahr absolviert. Weitere Wünsche an die Bildungspolitik der Bundesregierung, unabhängig von deren Zusammensetzung: „Das Teamteaching gehört weiterhin gefördert, und es muss mehr Unterstützungspersonal für die Schulen geben, konkret Schulsozialarbeiter und Psychologen.“

Das Projekt gemeinsame Schule gehört wieder in Angriff genommen.“

Gudrun Brunner, Direktorin Mittelschule Höchst

Plädoyer für Schulautonomie

Eine neue Chance für die Einführung einer Schule der Zehn- bis 14-Jährigen in Vorarlberg verlangt auch Michael Tagger, Sprecher des Landeselternverbandes Vorarlberg. „Ich hoffe, es gibt in der künftigen Bildungspolitik eine Koalition der Vernünftigen, die auch von den türkisen Mitgliedern getragen wird“, formuliert Tagger seine Wünsche an die Bildungspolitik der Zukunft. Gut vorstellen könnte sich Tagger eine Koalition zwischen ÖVP, Grünen und Neos, welche die Einführung der verpflichtenden Ziffernnote an Volksschulen bzw. die Deutschförderklassen wieder rückgängig macht.

Genau das wünscht sich auch Volksschuldirektor Josef Rothmund. „Wenn Schulen gute Lösungen bei der Benotung ausarbeiten und auch bei der Deutschförderung die für sie passenden Modelle schaffen, dann sollte man ihnen diese Autonomie schon zugestehen“, wird der Leiter der Volksschule Götzis-Markt deutlich.