„Sag niemals nie“ im Bezirksgericht

Vorarlberg / 23.10.2019 • 14:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bezirksgericht Dornbirn: Wöchentliche „Anlaufstelle “ für überführte Ladendiebe. G. LANG

Gestohlene Dose Energydrink kostet unverbesserlichen Ladendieb 800 Euro Strafe.

Dornbirn Weder in diversen Dornbirner Supermärkten noch im städtischen Bezirksgericht ist dieser 55-jährige Frührentner ein unbekanntes Gesicht. Und das schon seit Langem. Bereits ansehnliche 21 Vorstrafen „zieren“ sein Vorstrafenregister, darunter zehn einschlägige wegen Diebstahls.

„Wir kennen uns ja schon“, begrüßt Richter Frank Plasinger den erneut wegen Ladendiebstahls beschuldigten Dauergast freundlich. „Eben, eben“, kommt lakonisch als Antwort.

Nur eine einzelne Dose Energydrink. Eingesteckt in einem Dornbirner Sutterlüty-Markt. Und wieder jede Menge Ärger mit Polizei und Gericht am Hals – nichts Neues für den 55-Jährigen.

„Wurde angestiftet“

Aber: „Es ist beschämend! Ich bin damals zu diesem Diebstahl angestiftet worden. Denn mit mir waren da noch zwei weitere Typen im Markt. Und die sagten ‚Nimm, nimm, nimm!‘ Ach, und ich war weiß Gott wie was beieinander! Dieser Einfluss von Alkohol und Tabletten, Sie wissen ja. Und der, der das wirklich verursacht hat, steht meistens nicht da“, rechtfertigt der Beschuldigte seinen weiteren diebischen Ausrutscher.

Der, der das wirklich verursacht hat, steht meistens nicht da.“

Der Beschuldigte

Und dennoch entschuldigt er ihn nicht. „Ich habe zwar den Videobeweis von meinem Diebstahl nicht gesehen, aber ich war’s und fertig!“, gesteht er.

Vom Richter auf seine offensichtliche Unverbesserlichkeit angesprochen, erwidert der Frühpensionist wie schon so oft und wiederholt: „Jetzt aber habe ich eine Lehre daraus gezogen! Ich will ja nicht wieder vor Ihnen stehen,“ sagt er und ergänzt noch etwas zögerlicher: „Aber sag niemals nie, oder . . . ?“

Keine zwei Euro wert

Die gestohlene Dose brachte zwar keine zwei Euro auf die Preisliste, aber diese Liste von Vorstrafen, diese Anzahl von Wiederholungen . . . Richter Plasinger kommt an einer Verurteilung nicht vorbei, trotz Geständnis und Reue. Der 55-Jährige wird zu einer unbedingten Geldstrafe von 200 Tagessätzen zu je vier Euro, also insgesamt 800 Euro, verurteilt. Der Frührentner akzeptiert protestlos, bittet jedoch um Ratenzahlung. Der Richter genehmigt sein Ansuchen.